140 Jahre Amrumer Leuchtturm

140 Jahre Amrumer Leuchtturm

Geburtstagskind in Rot-Weiß

Die Glückwünsche sind nachträglich und damit etwas verspätet, der Jubilar, der Leuchtturm auf Amrum, hatte seinen „Geburtstag“ oder besser das Datum seiner ersten Inbetriebnahme bereits am 1. Januar 1875.

Erbaut wurde er in den Jahren 1873/1874 unter damals sehr schwierigen Bedingungen: Mehrere tausend Tonnen Steine für das Fundament, das Kellergewölbe, für die bis zu 1,72 Mater dicken Mauern des 41 Meter hohen Turms sowie für das das Wohnhaus des Leuchtturmwärters mussten vom Festland über die Nordsee verschifft werden. Vom kleinen Hafen Steenodde wurde das Baumaterial mit pferdebespannten Wagen über eine Bohlenspur durch die Dünenlandschaft zum Bauplatz transportiert.

Die Entscheidung für den „großen Amrumer“ auf der Westseite der Insel fiel insbesondere deshalb, weil damals an der zerrissenen Westküste Schleswig-Holsteins nach Beendigung der dänischen Herrschaft 1864 außer im nördlichen Bereich der Insel Sylt (List-Ost, List-West und Kampen) kein einziges Seefeuer existiert. Und das Seegebiet um Amrum mit dem weit ausgedehnten Kniepsand, den zahlreichen vorgelagerten Sandbänken und Untiefen stellte eine permanente Gefahr für die Schifffahrt dar. So strandeten z.B. im Herbst 1850 zehn Schiffe vor Amrum und Sylt – gerettet werden konnten nur fünf Schiffsmannschaften. Mit entsprechenden Seezeichen und einer Befeuerung hätten die schlimmen Unglücke verhindert werden können.

Zunächst mit einer fünfdochtigen Petroleumlampe, später mit einem Petroleumglülich betrieben, musste vom Leuchtturmwärter das für die Befeuerung der Lichtquelle benötigte Petroleum in 20 Liter-Kanistern über die Wendeltreppe mit 297 Granitstufen aus dem Keller nach oben geschleppt werden. 1936 erhielt der Leuchtturm elektrisches Glühlicht sowie eigene Dieseldynamos für die Stromerzeugung.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Anschluss an das öffentliche Stromnetz und der bis dahin gänzlich braune Leuchtturm erhielt seine rot-weißen „Bauchringe“. Seit 1984 wird das Leuchtfeuer automatisch geschaltet und gesteuert.

Durch den Standort auf der 24 Meter hohen Großdüne „Grat Dün“ wird eine Feuerhöhe von insgesamt 66 Meter ü.M. erreicht. Das weiße 360-Grad-Rundumlicht, das heute durch einer Halogen-Metalldampflampe mit 230 V/250 W erzeugt wird, hat eine Tragweite von 23 Seemeilen (das entspricht einer Entfernung von fast 43 Kilometern) und warnt die Seefahrt mit einer Blitz-Kennung von 7,5 Sekunden vor den vor der Insel befindlichen Untiefen, die sich oft gefährlich schnell verändern.

Der Leuchtturm ist während der Hauptsaison montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr und in der Nebensaison mittwochs von 9.00 Uhr bis 12.30 Uhr für Besucher geöffnet – die Öffnungen sind allerdings witterungsabhängig!
Und wer die 297 Stufen vom Fuß der Düne bis zum Rundbalkon, davon 172 Stufen im Turm, erfolgreich bewältigt, wird mit einem herrlichen Blick über die gesamte Insel entschädigt.

Übrigens, für heiratswillige Paare die am Tag der Tage ganz hoch hinaus möchten, bietet der Leuchtturm die Möglichkeit, sich das „Ja-Wort“ in luftiger Höhe zu geben.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.