Das Eidersperrwerk bei Tönning

Das Eidersperrwerk bei Tönning

Sicherer Schutz gegen die Sturmflut

Schon seit frühesten Zeiten haben die Küstenbewohner immer wieder mit schweren Sturmfluten zu kämpfen gehabt. Dabei wurde die Nordseeküste oftmals und wiederholt stark verändert. Sturmfluten, Landgewinnung und Küstenschutz bestimmen seit Jahrhunderten das Leben der Menschen auch an der schleswig-holsteinischen und dänischen Westküste. Der „Blanke Hans“, wie die Einheimischen die Nordsee bei Sturmflut ehrfurchtsvoll nennen, forderte hier im Laufe der Zeit unzählige Opfer an Mensch und Tier und brachte auch immer wieder Landverlust mit sich
Um sich gegen die Fluten zu schützen, begann man an der Küste bereits vor mehr als 1000 Jahren in Eigenregie Deiche und Warften zu bauen. Mussten Deiche früher noch von den Bewohnern der Küstengebiete bei kaum noch vorstellbaren körperlichen Leistungen selbst gebaut werden, so gehört der Küstenschutz der Neuzeit zu den Staatsaufgaben. Der Staat (Bund und Länder) ist für den Neubau und auch für den Ausbau (z.B. besonders bei Deicherhöhungen) zuständig. Diese Leistungen werden heute durch moderne, schwere Baumaschinen erbracht. Sie benötigen weit weniger Arbeitskraft als in der Vergangenheit.
So liegt die Bauleistung eines qualifizierten Arbeiters heute 70 bis 100mal so hoch als zur Zeit des friesischen Deichrichters Albert Brahms vor 250 Jahren, den folgender Satz berühmt machte:

Kein Deich – kein Land – kein Leben.

Die Sturmflut von 1962, die verheerende „Hamburg-Sturmflut“, brachte eine Flutkatastrophe an die deutsche Nordseeküste, die den größten Schaden im 20. Jahrhundert anrichtete und die auch Tönning erfasst hatte. Die entfesselten Naturgewalten drückten die Eider nach Tönning hinein; die Häuser am Hafen und in niedrig gelegenen Straßen wurden überflutet; das Wasser stieg in nie erreichte Höhen, überschwemmte sogar Teile des Marktplatzes.

So wurde nun überlegt, ob man zum Schutz der Stadt und des Hinterlandes die Deiche am Eiderufer erhöhen oder ein Sperrwerk an der Mündung errichten sollte. Entsprechende Vorarbeiten für den Bau einer Eiderabdämmung hatten bereits im Jahr 1957 begonnen. Nach fünfjähriger Arbeit waren mehre Vorschläge erarbeitet worden, von denen sich die Abdämmung der Eider als die günstigste Lösung anbot.

1967 begannen die Bauarbeiten am Eidersperrwerk, die insbesondere die nicht unerheblichen Strömungsverhältnisse an der Eidermündung überwinden mussten und in deren Verlauf Ummengen an verschiedenen Materialien eingebracht und verbaut wurden.
Als ein Jahrhundertbauwerk konnte das Sperrwerk am 20. März 1973 als das größte deutsche Küstenschutzbauwerk eingeweiht werden.

Die Eiderabdämmung setzt sie sich aus mehreren Einzelbauwerken zusammen, die erst gemeinsam die Funktionalität dieses Bauwerkes ausmachen. Dazu gehört einmal das Sielbauwerk mit den 5 Sielverschlüssen, das sind stählerne Segmenttore (Doppeltore) mit einem Gewicht von jeweils 250 Tonnen. Dann die Sielsohle aus Stahlbetonplatten mit einer Sohlensicherung aus schwedischem Granit, die einer Strömungsgeschwindigkeit von 5 m/s standhalten müssen. Zum Bauwerk gehört weiterhin als positiver Nebeneffekt eine neue Verkehrsverbindung zwischen Dithmarschen und Eiderstedt mit einem 236 Meter langen Tunnel zwischen den Binnen- und Außentoren und weiter über die 28 Meter lange Schifffahrtsschleuse nördlich des Siels über die mittels einer Waagebalken-Klappbrücke die Landstraße geführt wird. Letztlich gehören auch der nördliche und der südliche Eiderdamm zum Gesamt-Ensemble des Eidersperrwerks.
Gebaut wurde ebenfalls ein geschützter Binnenhafen, in dem oft Kutter liegen und Schiffe Schutz finden. Ein Außenhafen konnte angelegt werden, von dem im Sommer Ausflugsschiffe fahren.

Das Eidersperrwerk stellt nun seit über 40 Jahren neben dem Sturmflutschutz auch die Vorflut und die Schifffahrt auf der Eider sicher und ist inzwischen zu einer echten Touristenattraktion geworden, die täglich unzählige Gäste in die Region Wesselburen und Umgebung lockt.

In der Saison werden im 14-tägigen Rhythmus für Einzelreisende Führungen angeboten. Hier gibt es interessante Details über das Zusammenspiel von Natur und Technik. Start: 07. Mai, 14-tägig bis 22. Oktober 2015, 16:00 Uhr. Treffpunkt am Parkplatz Süd (Dithmarscher Seide) bei den Infotafeln.

Achtung: Diese ehrenamtlichen 14-tägigen Termine sind nur für Einzelreisende angedacht, um diesen die Teilnahme an einer Führung zu ermöglichen. Teilnahmegebühr: freiwillige Spende für die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger).
Reisegruppen bitte nur auf gesonderte Anmeldung:
Gruppenreisende über 6 Personen gegen eine kleine Gebühr. Anmeldung und Ansprechpartner: Herr Bonis: Telefon: 04861 5909.

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