Eine Mauer, die nicht trennt – Der Friesenwall

Eine Mauer, die nicht trennt – Der Friesenwall

Urlauber und Gäste unserer Region werden insbesondere in den Dörfern der friesischen Inseln von Borkums bis Sylt, aber auch in den Siedlungen und auf Einzelhöfen in den fruchtbaren Marschgebieten die landestypischen Friesenwälle vorfinden. Teilweise schön bepflanzt, manchmal auch nur begrünt, lassen die meist hüfthohen Bauwerke einen Blick auf das dahinterliegende Haus mit dem Grundstück und einem oft wunderschön gestalteten Garten zu.

 

Eine Natursteinmauer mit ganz besonderem Charme

Der Fachmann, der heute für die Errichtung eines Friesenwalls prädestiniert ist, bezeichnet dieses Bauwerk schlichtweg als eine Sonderform der Trockenmauer. Aber diese Mauer hat Geschichte. Man kennt bis heute zwar nicht das genaue Alter der ersten Friesenwälle, man weiß aber, dass sie zuerst in den Marschgebieten und auf den friesischen Inseln entstanden sind. Dort gab es kaum Holz und wenig Steinbrüche. Man war daher auf Findlinge angewiesen, die man bei Ebbe im Watt, aber auch auf den Feldern als eiszeitliche Geschiebegesteine fand. Diese Gesteine sind durch die Jahrtausende dauernden Einwirkungen des Meeres gerundet worden.

Außerdem wären Einfriedungen mit Holzzäunen wegen des Mangels an Holz damals sehr teuer gewesen und diese hätten auch, ständigen Winden, oftmaligen Stürmen sowie der salzhaltigen und feuchten Luft ausgesetzt, kaum lange gehalten. Das Naturprodukt Stein konnte gefunden werden und war praktisch jederzeit verfügbar. Da Natursteine stets unterschiedliche Formen und Größen besitzen und sich auch in Farbe und Struktur voneinander unterscheiden, wirkt ein Friesenwall eher wie von der Natur geschaffen als wie ein von Menschenhand geschichtetes Bauwerk.

Natursteinmauern verbreiten am Grundstück immer ein besonderes Flair – sei es als Teil der Umfriedung eines Grundstückes, als dekorative Abgrenzung im Garten zwischen Zier- und Nutzgarten oder einfach nur

als Wallschutz zum Bepflanzen.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Friesenwälle je eine Funktion zum Schutz vor Hochwasser bei Sturmfluten hatten, einmal hatten sie ja natürliche Ein- bzw. Durchgänge, andererseits konnte das Wasser den aus gestampfter Erde bestehenden „Kern“ des Walles bei Sturmhochwasser herauswaschen. Wohl aber diente der Friesenwall seit jeher nicht nur als Grundstücksbegrenzungen, sondern hatte auch die Funktion,  besonders im bodennahen Bereich effektiv die Windeinwirkungen zu reduzieren.

 

Stein auf Stein…und hält!

Jeder Friesenwall ist einzigartig, weil die verwendeten Steine Findlinge und somit Unikate sind. Ein echter und als typisches Wahrzeichen norddeutscher Häuser anzusehender Friesenwall ist daran zu erkennen, dass er ohne Verwendung von Zement geschichtet ist. Echte Friesenwälle sind somit nicht verfugt, sondern werden aus aufeinandergelegten Steinen gebaut.

Zum Aufbau wird kein Mörtel benutzt, die Stabilität erhält der Wall ausschließlich durch Mutterboden. Der wird lückenlos hinter die Steine gefüllt und fest angedrückt. Aus statischen Gründen wird der Friesenwall mit einem Neigungswinkel von 10 bis 15 Prozent in Richtung des rückwärtigen Geländes errichtet wobei das festigende Erdreich z.B.

in den angrenzenden Garten bzw. die angrenzende Rasenfläche übergeht.  Diese aufgefüllte Rückseite dient zur horizontalen Stabilisierung des Friesenwalls.

Die normale Höhe beträgt etwa 80 Zentimeter und damit sich die Mauer letztlich selbst tragen kann, sind Steine unterschiedlicher Größe erforderlich. Zwar wird bei der Errichtung des Friesenwalls auf

ein besonderes Fundament verzichtet, weshalb die unterste, aus größeren Blöcken bestehende Steinschicht jedoch normalerweise bis zu einem halben Meter tief im Erdreich verankert ist.

Die Größe der verwendeten Natursteine nimmt mit zunehmender Wallhöhe ab. Wird an der Oberfläche  eine Breite von etwa 60 cm angestrebt, so sollte die Sohle des Friesenwalls eine Verdickung von etwa doppelter Breite aufweisen.

Die Verwendung der Natursteine, die in Form und Größe unterschiedlich sind, erfordert, dass die Zwischenräume besonders gut ausgefüllt werden. Dazu werden, gleichsam als Keile und Mörtel, kleinere Steine und Brocken von Grassoden dazwischen getrieben, was später gleichzeitig die Möglichkeiten zur Bepflanzung der Mauer verbessert.

In der Regel wird die gewünschte Höhe des Friesenwalls nach fünf Steinschichten bereits erreicht, wobei jede Schicht sofort auf der Innenseite mit verfestigtem Mutterboden gesichert wird. Den Abschluss bildet ein letzter Belag aus Grassoden.

 

Friesenwälle – ästhetisch und fotogen und… zunehmend beliebt

Dank einer ganz individuellen abschließenden Bepflanzung des Friesenwalls, bei der der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, ist dieser heute in jedem Ortsbild eine echte Augenweide und ein immer wieder geschätztes Fotoobjekt.

Beliebt sind Bepflanzungen mit z.B. mit der Kartoffel-Rose, die sich durch  unterirdischen Ausläufer vermehrt, wodurch schnell großflächige, dichte Bestände entstehen können. Als Rosenbegleitpflanze eignet sich auf dem Friesenwall auch Lavendel, der sehr schön lila-blau blüht und außerdem die lästigen Blattläuse etwas von den Rosen abhält. Lavendel sollte  aber jedes Jahr im Frühjahr kräftig, bis auf 2 cm über den Boden,  zurückgeschnitten  werden damit die Pflanzen jung und vital bleiben, reich blühen und nicht verholzen.

Aber auch eine Bepflanzung mit Kirschlorbeer als Heckenbepflanzung ist zu empfehlen, wobei neben dem Windschutz dann auch noch ein Sichtschutz erreicht wird.

In den Fugen der Friesenwälle können Steingartengewächse mit wenig Platzbedarf für die Wurzeln gepflanzt werden. Hier werden vom Fachmann besonders Mauerpfeffer, Blaukissen, Hornkraut und Schleifenblume empfohlen.

 

Der eigentlich aus dem norddeutschen Raum bekannte Friesenwall gewinnt jedoch mehr und mehr an Beliebtheit in ganz Deutschland. Gartenbaubetriebe bieten heute eigentlich bundesweit die professionelle Errichtung eines Friesenwalls als eine einzigartige Gartenverschönerung an. Und das Grundgerüst eines Friesenwalls sind Erde und Steine, Materialien, die überall in Deutschland bezogen werden können. Die Steine werden in der Regel in sehr guter Qualität aus Schweden importiert.

Aber: Ein Friesenwall wird nahezu vollständig in Handarbeit hergestellt und aufgrund der Kunstfertigkeit, die dem Erbauer abverlangt wird, hat  natürlich seine Errichtung in einem qualitativ hochwertigen Zustand durch qualifiziertes Personal aus Gartenbaubetrieben seinen Preis. Daher sollte man sich vorab entsprechende Referenzen einholen um sicher zu gehen, dass der ausgewählte  Betrieb mit dieser Trockenbauweise auch vertraut ist.

Denn auch hierfür  gilt: Wer hier spart, spart an der falschen Stelle!

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