Die Unterschiede zwischen Nordsee und Ostsee

Die Unterschiede zwischen Nordsee und Ostsee

Die Unterschiede zwischen Nordsee und Ostsee – nicht nur eine Glaubensfrage für Urlauber.

Für Urlauber, die aus den verschiedensten Gründen und mit zunehmender Tendenz Urlaubsziele im eigenen Land suchen, ist der alte Streit, ob Ferien an der Nordsee besser sind als an der Ostsee zunächst eigentlich nur eine Glaubensfrage: Wangerooge und Sylt oder Usedom und Rügen, Wattenmeer und Ellenbogen oder Kap Arkona und Königsstuhl, Dünenlandschaften oder Boddenküsten, Muscheln im Watt oder Feuersteine im Sand sammeln.

Geographie und Salzgehalt der Ostsee
Entstanden in der Weichsel-Eiszeit ist die Ostsee erdgeschichtlich gesehen mit 10.000 – 14.000 Jahren ein recht junges Gewässer.
Die Ostsee, auch als Baltisches Meer bezeichnet, ist mit 412.500 km² und einer durchschnittlichen Tiefe von nur 52 m (maximale Tiefe 459 m im Landsorttief) im Gegensatz zur Nordsee ein Binnenmeer und gilt mit einem von West nach Ost abnehmenden Salzgehalt von 1,8 % bis 0,3% als das größte Brackwassermeer der Erde.
Seit den 1980er-Jahren kommt es nur noch etwa alle zehn Jahre zu einem größeren Einstrom von sauerstoffhaltigem Salzwasser aus der Nordsee über Skagerrak und Kattegat – überlebenswichtig für die Tiere und Pflanzen in der Ostsee.
Die Anrainerstaaten sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen, die mit zum Teil stark voneinander abweichenden Küstenformen als Folge eiszeitlicher Gletscherbewegungen, der Ostsee ein ganz eigenes Gepräge geben:

  • Schärenküsten findet man in der zentralen, in der nördlichen und östlichen Ostsee an der schwedischen und finnischen Küsten.
  • Kliffküsten, also Küstenlinien, die steil und schroff empor ragen, trifft man zum Beispiel auf Gotland, Bornholm, Møn und Rügen wo z.B. der weiße Kreidefelsen des Königsstuhls eine Höhe von 118 m ü. NN erreicht.
  • Fördenküsten kennzeichnen die Ostküste Schleswig-Holsteins und Jütlands (in Dänemark als Fjord bezeichnet). Ihre Entstehungsgeschichte geht auf das Volllaufen ehemaliger Gletscherzungenbecken beim Anstieg des Meeresspiegels zurück.
  • Boddenküste prägt insbesondere die vorpommersche Küste mit ihren
    Boddenlandschaften. Bodden entstanden vor allem dadurch, dass frühere Inselkerne durch Materialablagerung miteinander verbunden wurden und dadurch größtenteils von der Ostsee abgetrennt wurden, mit der sie nur noch durch Rinnen verbunden sind.
  • Ausgleichsküste bezeichnet insbesondere die Küstenlinie Polens von Stettin bis kurz vor Danzig und die lettische Küste, deren Verlauf fast gerade ist, weil die überwiegend von Westwinden geprägte Brandung auf eine Küstenlinie trifft, die von Südwest nach Nordost verläuft und dadurch Transportmaterial anlagert. Auch an der Küste Vorpommerns sind infolge von Ausgleichsprozessen Landzungen und Nehrungen entstanden, wie z. B. die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sowie die Schaabe, die Schmale Heide und der Bug auf Rügen.

Inseln und Inselgruppen gibt es in der Ostsee in großer Zahl. Zu den bekanntesten Inseln gehören Gotland und Öland (schwedisch), Åland (finnisch), Dagö und Ösel (estnisch), Wollin (polnisch), Usedom (deutsch/polnisch), Rügen, Hiddensee und Fehmarn (deutsch) sowie Seeland, Bornholm, Fünen, Lolland, Falster und Langeland (dänisch). Aber auch kleinere und kleinste Inseln in großer Zahl sind beispielhaft für die Geografie der Ostsee, bewohnt und unbewohnt. So gehören z.B. zu Estland und ca. 1500 kleineren Inseln, die Zahl der finnischen Ostseeinseln und Eilande wird mit etwa 80.000 angegeben und auch an Schwedens Küste liegen tausende kleinster Schären, die teilweise bewohnt sind.

Geographie und Salzgehalt der Nordsee
Geologisch gesehen ist die Nordsee ein „altes“ Meer, dessen Entstehung und Veränderungen in Gestalt und Größe über einen Zeitraum von etwa 350 Millionen Jahren verlaufen sind. Die Absenkung des Nordseebeckens erfolgte im Tertiär und die heutige Form entstand zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.000 Jahren. Die Nordsee mit einer Fläche von rund 575.000 km² bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von 94 Metern (maximale Tiefe 725 Meter in der Norwegischen Rinne) ist ein Schelfmeer, ein Randmeer des Atlantischen Ozeans im Nordwesten von Europa, das in diesen Ozean hineinmündet. Der Salzgehalt der Nordsee beträgt durchschnittlich etwa 3,5 Prozent. Anrainerstaaten sind Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Deutschland, Niederlande, Belgien und Frankreich. Die Küstentypen der Nordsee sind stark von der Eiszeit geprägt und ebenso vielfältig wie die der Ostsee:

  • Steilküsten und Felsküsten findet man z.B. im Bereich der Norwegischen Küstenformationen. Diese sind mit oft vielen Kilometer langen und teils sehr tiefen Meeresarmen, den Fjorden, durchschnitten, die weit in das Land hinein reichen. Die größeren Fjorde reichen bis 100 Kilometer landeinwärts und können bis zu 1200 Meter tief sein (z.B. Boknafjord, Sognefjord und Hardangerfjord).
  • Fjärde-Küsten sind an flachen und breiten Buchten, die ebenfalls durch die Gletscher der Eiszeit entstanden sind und in denen sich oftmals zahlreiche kleine Inseln befinden. Fjärde findet man an den Küsten von England und Schottland, wo es gleichermaßen Felsenküsten gibt.
  • Schärenküsten sind mit den zahlreichen kleineren und größeren Inseln an der südnorwegischen Nordseeküste zu finden, von denen die größeren Inseln überwiegend bewohnt sind. Auch ihre Entstehung geht auf die Eiszeit zurück
  • Sandküsten/Strände, die flachen Küsten- oder Uferstreifen aus Sand oder Geröll sind hauptsächlich an den Düneninseln des Wattenmeeres zu finden. Die gesamte Sylter Westküste ist mit fast 40 km der längste Strand an der deutschen Nordseeküste. Der Strand auf der dänischen Insel Rømø ist rund 20 Kilometer lang und bis zu sechs Kilometer breit und auch der Amrumer Strand gehört mit einer Breite von nahezu zwei Kilometern zu den breitesten Sandstränden Europas.

Inseln und Inselgruppen sind in der Nordsee Großbritannien, als die an sich größte Insel, die mit ihrer Ostseite an die Nordsee grenzt, die Shetland-Inseln und die Orkney Inseln (gehören zu Schottland), die Inseln Fanø, Mandø, Rømø (zu Dänemark), die deutschen Nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm, Nordstrand (seit 1987, ist eine Halbinsel, wird oft noch dazu gerechnet) , die deutschen Ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge (alle bewohnt) und die unbewohnten Inseln Lütje Hörn, Memmert, Kachelotplate, Minsener Oog, Mellum, die Westfriesischen Inseln Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland, Schiermonnikoog, Rottumeroog (alle Niederlande) sowie die deutsche Hochseeinsel Helgoland.

Eine Besonderheit an der deutschen und dänischen Nordseeküste sind die Halligen. Sie sind erdgeschichtlich junge Inseln, die durch Aufschlickung bzw. Aufschwemmung bei Überflutungen erst im vergangenen Jahrtausend auf altem, untergegangenem Marschland entstanden sind. Als relativ kleine und nicht oder nur wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, können diese bei Sturmfluten überschwemmt werden: Hooge, Langeneß, Gröde, Nordstradischmoor, Oland, Süderoog, Südfall, Hamburger Hallig, Norderoog, Habel (alle Deutschland, Kreis Nordfriesland) und Langli (Dänemark).

Die Einmaligkeit des Wattenmeeres – ein UNESCO Weltnaturerbe
An der Nordseeküste zwischen Den Helder (Niederlande) und Skallingen (Dänemark) liegt auf einer Länge von ca. 450 Kilometer und einer Breite von bis zu 40 Kilometer mit einer Fläche von rund 10.000 Quadratkilometern das größte Wattenmeer der Welt. Mit seinen Prielen und Flachwassern,mit Sandbänken und Dünen sowie den Salzwiesen gehört es zu den größten natürlichen und artenreichsten Lebensräumen, die es im Westen Europas noch gibt. Die weiten Flächen des Wattenmeeres fallen regelmäßig zweimal täglich während der Niedrigwasserzeit (Ebbe) trocken und werden während der Hochwasserzeit (Flut) überflutet. Die bei Ebbe trocken fallenden Flächen bezeichnet man als Wattflächen. Das Wattenmeer ist so einzigartig, dass es im Juni 2009 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt wurde. Nur Gebiete von ‚außergewöhnlichem universellem Wert‘ können diese höchstmögliche Anerkennung einer Naturlandschaft erhalten. Damit steht das Wattenmeer international auf einer Stufe mit dem Grand Canyon, der Serengeti oder den Galapagos-Inseln.

Gezeiten oder ruhige See
Allerdings stimmt dieser Vergleich nur bedingt. Es gibt in der Ostsee im Gegensatz zur Nordsee das Wechselspiel von Ebbe und Flut mit einem Tidenhub, also dem Höhenunterschied von Hoch- und Niedrigwasser, von zwei bis dreieinhalb Metern und somit ein beeindruckendes Naturphänomen nicht. Die schmale Verbindung zur Nordsee durch das Kattegat, den Öresund sowie den Großen Belt und den Kleinen Belt verhindert, dass in einem Wechsel der Gezeiten von jeweils 6 Stunden so viel Wasser angezogen wird, dass dies hier für eine „ordentliche“ Flut in der Ostsee ausreicht.

Die Veränderung des Meeresspiegels beträgt hier lediglich 10 bis 15 Zentimeter und ist somit kaum bemerkbar. Dadurch ist in der Nordsee bei Ebbe das Wasser am Strand zum Baden oder Schwimmen nicht direkt vorhanden und man muss sich dazu weit ins Meer hinaus begeben. Andererseits ist bei Flut Vorsicht geboten, da das Wasser rasant ansteigen und somit auch in einigen Situationen zur Gefahr für die Badenden und Wattwanderer werden kann.

Dieses Problem besteht in der Ostsee nicht, hier ist stets genug Wasser zum Schwimmen oder Baden vorhanden. Allerdings sollten sich auch hier – wie an der Nordsee – Wasserratten nur an den bewachten Strandabschnitten ins Meer stürzen und keinesfalls Strömungen und Wellengang unterschätzen.

Die Nordsee ohne Wind – das ist fast unmöglich.

Trotz eines langjährlichen Sonnenstundenmittels in List auf Sylt von 1685 Stunden weht von Juli bis in den Herbst hinein der Wind oft von der See her, da die Nordsee, meteorologisch gesehen, mitten in den Zugbahnen der nordatlantischen Tiefdruckgebiete liegt, die das Wetter oft wechselhaft und stürmisch gestalten.

Genau das Richtige für Segler und Surfer, für Strandläufer und Wanderer auf den Deichkronen …

Die Ostsee dem gegenüber erscheint einfach „adrett“ und freundlich. Gezeitenlos und jederzeit zum Baden geeignet. Genau das Richtige für Familien: Harmlose Wellen, weite Sandstrände, beständigeres und mildes Wetter sowie die meisten Sonnenstunden Deutschlands im langjährigen Mittel pro Jahr (z.B. Usedom mit 1906 Stunden und Arkona mit 1825 Stunden).

Der Süden der Ostsee befindet sich in der gemäßigten Klimazone, die nördliche Küste gehört bereits zur kaltgemäßigten Klimazone. Sie entwickelt kein eigenes maritimes Klima. Daher vereist sie in jedem Winter teilweise, hin und wieder sogar vollständig. Dadurch wirkt sie nach harten Wintern als Kältespeicher. Hafenstädte wie Oulu in Finnland zählen bis zu sechs vereiste Monate pro Jahr.
Sind in den Sommermonaten die Oberflächentemperaturen von Nord- und Ostsee annähernd gleich und liegen im August bei ungefähr 18°C und im Februar bei 4°C in der Nord- bzw. 2°C in der Ostsee, so macht sich in der Nordsee als nordatlantisches Randmeer der Einfluss des Golfstroms bemerkbar.
Insbesondere der geringe Salzgehalt der Ostsee wirkt sich auch auf die Flora und Fauna aus, so dass die Tier- und Pflanzenwelt einige Unterschiede aufweist. Der Seeigel beispielsweise – ein typischer Bewohner der Nordsee – kann in der Ostsee nicht überleben. Auch Seesterne sind in der Ostsee nur in einem regional begrenzten Lebensraum anzutreffen, nämlich in den salzhaltigeren Gebieten der westlichen Ostsee. Östlich von Rügen sind sie kaum noch zu finden.

Viele Unterschiede und eine Gemeinsamkeit – beliebtes Urlaubsziel
Wenn bis hier landschaftliche, hydrologische und meteorologische Unterschiede betrachtet wurden, so muss unbedingt auf eine Gemeinsamkeit hingewiesen werden: Sowohl die Nordsee als auch die Ostsee haben ihre Fans, ihre Stammgäste, die das Meer, die Strände, ob mit oder ohne Wind, ob mit oder ohne Gezeiten einfach nur lieben. Bei den Inlandsreisezielen rücken Wellen, Wind, Sand und Strandurlaub an heimischen Küsten in der Gunst der Urlauber immer weiter nach vorn. Die Ferienregionen an Nord- und Ostsee haben trotz der Konkurrenz von Mallorca, Ibiza & Co ihre Position behaupten können.
Besonders die Ostsee konnte aus bekannten Gründen seit 1991 ihren Marktanteil von sechs auf acht Prozent ausbauen, die Nordsee ihren Anteil bei sechs Prozent halten. Vor allem die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern boomt; die Tourismus-Strategen erwarten hier, wie bereits in den vergangenen Jahren, neue Besucherrekorde.

2 Kommentare

  1. So ausführlich habe ich die Unterschiede noch nie beschrieben gesehen

  2. Hanno Paulsen /

    Aber echt so einen tollen und ausführlichen Artikel habe ich selten gesehen ich habe heute Dinge gelsen die mir als Jung vom Meer nicht bekannt waren da sieht die Wikipedia Seite aber dünn dagegen aus. Klasse mehr davon Danke Hanno

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.