Die Vögel

Die Vögel

– kein Horrorfilm von Alfred Hitchcock
sondern Tatsache auf Sylt

Obwohl in Hitchcock’s Horror-Klassiker aus dem Jahr 1963 auch große Möwenschwärme beteiligt waren, spielten dabei wohl doch die Krähen die dominierende Rolle in diesem Film.

Das könnte auf Sylt anders sein, auch wenn sich hier keine Horror-Szenarien abspielen, aber die Plage der Möwen auf der Nordsee-Insel ist real: Da werden Urlaubern und Gästen Fischbrötchen oder Kuchen aus der Hand weggeschnappt oder vor dem Biss in den Mund einfach entrissen, Kinder, die nicht auf ihr Eis aufpassen, haben plötzlich nur noch ein leere Waffel in der Hand oder ein Portion Pommes wird einem weggeschnappt und landet auf dem Gehweg – sehr zu Freude weiterer Möwen, die sofort zur Stelle sind, um sich am Verzehr der „Beute“ zu beteiligen.

Sie umkreisen laut kreischend die Köpfe der Menschen, immer nach etwas Essbarem Ausschau haltend.Und Möwen lernen sehr schnell, dass sich in Tüten, Mülleimern oder auf noch nicht abgeräumten Tischen vielerlei Nahrungsreste befinden können – „Möwe“ muss halt nur neugierig sein!

Und die in Scharen anfliegenden Möwen finden etwas – sei es ein achtlos weggeworfenes Brötchen auf der Promenade, ein noch nicht abgeräumter Stehtisch mit den Resten eines Snacks oder ein Abfallbehälter mitten auf der Straße, es entgeht den wachsamen Augen der Möwen nichts. Bei den gefiederten Räubern handelt es sich in fast allen Fällen meistens um Silber- oder Sturmmöwen, was aber den Betroffenen, die oft auch noch mit einem scharf-ätzenden Möwenschiss als „Zierde“ auf ihrer Kleidung den Ort des „Überfalls“ verlassen, ziemlich egal sein dürfte.

Aber es ist nicht nur das aggressiv-räuberische Verhalten der Möwen: Besonders die Angst vor der Übertragung von Krankheiten und auch die Lärmbelästigung, die oft schon in der morgendlichen Dämmerung beginnt, manchen Einheimischen und Touristen zu schaffen. Und es erscheint wenig hilfreich, wenn hier der NABU versuchtderart abzuwiegeln, dass sich eine Übertragung von Salmonellen, als deren Träger Möwen durchaus in Frage kommen, durch einfache Hygiene wie das normalerweise übliche Waschen der Hände vermeiden lassen. Wo bitte kann man sich in Westerland auf der Friedrichstraße oder in der Strandstraße oder auf der Promenade die Hände waschen?

Nicht nur ein Möwen-Problem – auch ein Menschen-ProblemNatürlich gehören Möwenzum „Lokalkolorit“ an den Meeresküsten, an Dünen und in den Häfen, an den Binnenseen und den Flüssen. Möwen als maritimes Flair, als Motive auf Ansichtskarten und Postern, auf den Erinnerungsfotos – all‘ das gehört zu einem Aufenthalt an unseren Küstenvon Nord- und Ostsee. Es liegt also im Wesen des Menschen, Möwen als ein Bestandteil der hiesigen Natur zu betrachten.

Allerdings liegt zwischen richtigem und falschem Verhalten in Sachen Natur oft nur ein sehr schmaler Grat und das in der Vergangenheit vielfach beobachtete bewusste Füttern von Möwen an den Stränden muss eindeutig als Fehlverhalten von wenigen Bewohnern der Insel und ganz vielen ihrer Gäste gewertet werden. Durch zugeworfene Essensreste haben die Möwen im Laufe der Zeit immer mehr die Scheu vor den Menschen verloren.

Was früher ein Erlebnis und ein schönes Fotomotiv war, wenn eine Möwe der Gattin des Fotografen das Stücken Brot im Anflug aus der Hand genommen hat, wird heute als Plage empfunden, wenn sie sich aus der Hand der Menschen oder von seinem Teller im Sturzflug selbst bedienen. Damit sind auch die Zeiten vorbei, an denen Möwen hauptsächlich am Strand zu finden waren, die in der Brandung schwimmend auf die fütternden Urlauber gewartet haben.

Sie haben inzwischen gelernt, ihre Brutplätze bevorzugt in unmittelbarer Nähe zum Nahrungsangebot, z.B. auf Hausdächern, anzulegen und fühlen sich von den Menschen kaum noch bedroht.Es ist und bleibt eine falsch verstandene Tierliebe mit negativen Folgen für das natürliche Verhaltenund auch die Gesundheit der Vögel selbst, die Möwen zu füttern.

Sylter „Möwenverordnung“ als Maßnahme des Tierschutzes
Bereits seit 2010 gibt es in der gesamten Gemeinde Sylt eine „Möwenverordnung“, die einerseits berücksichtigt, dass die Möwen selbstverständlich zum maritimen Charakter der Insel gehören, andererseits die klare Aussage trifft, dass das Nicht-Füttern der Möwen Tierschutz ist und ein absolutes Fütterungsverbot für Möwen beinhaltet.

Die fahrlässige Fütterung der Möwen kann mit einer Geldbuße von bis zu 500,00 Euro und die vorsätzliche Fütterung mit bis zu 1.000,00 Euro Geldbuße als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Als Fütterung wird auch das Auslegen von Futter- und Lebensmitteln gewertet, die erfahrungsgemäß von Möwen aufgenommen werden.
Aber natürlich ist eine Kontrolle der Durchsetzung dieser Verordnung nicht problemlos, zu weitläufig sind die Stellen, an denen sich die Möwen aufhalten und die Menschen ihnen nach wie vor „Gutes“ tun können.

Daher wurde bereits 2014 erfolgreich ein Vergrämungsgerätgetestet, das Schreien von „Feindvögeln“, nämlich von Greifvögeln und die Panikschreie der Möwen abspielt, was für die Möwen bedrohlich wirkt. 2015 wurden auf Wohngebäuden weitere dieser Anlagen mit Erfolg eingesetzt, die jeweils bis Mitte Juni, zum Ende der Brutzeit,im Einsatz blieben.
Bleibt zu hoffen, dass auch für die Saison 2016 eine Eindämmung der Möwenplage damit möglich sein wird, dass sich bei den Vögeln selbst hier inzwischen kein Gewöhnungseffekt eingestellt hat und sich die Bewohner und Gäste an das Fütterungsverbot halten, damit es auf Sylt wieder zu einem entspannten Miteinander von Mensch und Möwe und zu keinem Horror-Szenarium a la Hitchcock kommt.

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