Erlebnispark Sturmflutwelt „Blanker Hans“ letzte Fahrt am 1 November 2015

Erlebnispark Sturmflutwelt „Blanker Hans“ letzte Fahrt am 1 November 2015

Der Blanke Hans in Büsum schließt zum 31. Dezember 2015

Mit dem Begriff „Blanker Hans“ bezeichnet man an der Nordseeküste
bei orkanartigen Stürmen und Sturmfluten die tosende See, die seit Jahrhunderten immer wieder eine reale Gefahr für Menschen und Tiere und die Küsten der Nordsee darstellt.

Nun scheint es, dass sich dieser symbolische Name für die Gefahr der Vernichtung gegen das Objekt selbst richtet: Der Erlebnispark Sturmflutwelt „Blanker Hans“ in Büsum, direkt hinter dem Deich an der Dr. Martin-Bahr-Straße 7, wird zum 31. Dezember 2015 endgültig seine Tore schließen.
Die Gemeindevertretung der Gemeinde Büsum hat bereits in ihrer Sitzung am 30.Juni 2015 entschieden, den Betrieb dieserkommunalen Einrichtung zum Jahresende 2015 zu beenden.
Nun kann man nicht behaupten, dass Büsum für seine Einwohner, deren Besucher und Gäste nichts zu bieten hätte, was museale Einrichtungen anbelangt: Das „Museum am Meer“ zeigt anschaulich Büsumer Geschichte, die Entwicklung der heimischen Fischerei und des Tourismus im Nordseeheilbad.

Das Büsumer Freilicht-Deichmuseum gibt den Besuchern einen Einblick in die Deichgeschichte an der Westküste von 1200 bis zur Gegenwart und in den Büsumer Meereswelten sind Unterwasserwelten ganz verschiedener Regionen unseres Planeten mit ihren Meeresbewohnern in Süß- und Salzwasseraquarien zu entdecken.

Trotzdem nimmt der Erlebnispark „Blanker Hans“ hier eine Sonderstellung ein, denn das Thema Sturmfluten ist eine Thematik, die weit über Büsum hinaus eine Rolle spielt, die für die gesamte deutsche Nordseeküste von Bedeutung ist. Der Erlebnispark, der hier im Jahr 2006 mit einem Kostenvolumen von rund 7,7 Mio. Euro als ein Vorzeigeobjekt mit einem eigens errichteten Bauwerk in Form der großen brechenden Welle eröffnet wurde, zeigt die Thematik „Sturmflut“ in einer sehr modernen und ansprechenden Form als eine Mischung aus Schauspiel, Fahrattraktion und interaktiver Ausstellung: Hier geht es auf eine Zeitreise in das Jahr 1962, in dem es 16. Februar bei einer Sturmflut in einer einzigen Nacht zu einer Flutkatastrophe an der deutschen Nordseeküste kam bei der 60 Deiche brachen und in deren Folge insgesamt 340 Tote zu beklagen waren, davon starben alleine in Hamburg 315 Menschen. Schauspieler sorgen auf der Zeitreise in die Vergangenheit für ein möglichst realistisches Umfeld mit Sturmflutwarnungen aus Radio und Fernsehen. Bei stetig seigendem Wasser und der weiteren Gefahr von Deichbrüchen bleibt nur der Weg in die Rettungskapsel.
Eine Fahrt mit der Sturmflutrettungsbahn veranschaulicht dem Besucher die Kraft der Nordsee und die Gefahr eines Deichbruchs und lässt ihn sicher durch die simulierten Naturgewalten steuern.
Ein „Archiv des Wissens“ ergänzt diese Erlebniswelt mit verschiedenen Ausstellungsstücken, historische Dokumente und Geschichten von Zeitzeugen zum Anhören. Und die sogenannte Offshore-Forschungsstation informiert in hier allgemeinverständlich über die Themen Sturmfluten, Wetter, Klima undKlimaphänomene und Gezeiten. In einem Windkanal kann man testen, wie sich Windstärke 12 anfühlt

Wie gesagt, noch kann man all‘ das erleben, aber schon ab dem 1.November 2015 wird die Sturmflutbahn ihren Betrieb einstellen und damit wird der Erlebnispark ganz sicher einen Teil seiner Attraktivität verlieren.
Die Gemeindevertretung Büsum hatte sich die Entscheidung zur Schließung der gesamten Einrichtung ab dem 31. Dezember 2015 wahrlich nicht leicht gemacht: Von einem jährliche Minus von rund 1,2 Millionen Euro kann zwar ein Teil der Summe durch die Kurabgabe wieder aufgefangen werden, aber auf rund 600.000 Euro jährlich bleibt die Gemeinde sitzen. Bereits 2012 monierte der „Bund der Steuerzahler“ in seinem Schwarzbuch, dass die von den Gutachtern für die Planung prognostizierte Zahl von jährlich 200.000 Besuchern nie erreicht wurde. Kamen im Eröffnungsjahr 2006 noch 111.000 Urlauber, Touristen und Tagesgäste so waren es in den letzten Jahren nur noch 60.000 bis 80.000 Besucher – zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb, bei dem die Gemeinde in 9 Jahren Verluste in Höhe von ca. 6,5 Mio. Euro ausgleichen musste. Das ist natürlich für eine Gemeinde mit weniger als 5.000 Einwohnern langfristig nicht tragbar.

Zwar meint der „Bund der Steuerzahler“, dass es zwar spät, aber nicht zu spät sei, dieses Projekt als gescheitert anzusehen und zu beenden, aber ein bitterer Beigeschmack bleibt trotzdem: Der Erlebnispark Sturmflutwelt „Blanker Hans“ beschäftigt sich mit einer Thematik, die für die gesamte deutsche Nordseeküste bedeutungsvoll ist, mit der sich sowohl die hier lebenden Menschen, als auch die Kommunen auseinandersetzen müssen und vielleicht ergibt sich angesichts dieses Stellenwertes ja die Möglichkeit mit neuen Fördermitteln die Ausstellung neu zu konzipieren und auszubauen, um dann möglicherweise mehr Besucher anzulocken.

Es wäre sehr schade, wenn das niederländische Sturmflutmuseum in Ouwerkerk, im südostlichen Teil der Halbinsel Schouwen-Duiveland, das einzige Museum dieser Art an der Nordsee bleiben sollte, in dem 50 Jahre nach der Flutkatastrophe vom 1. Februar 1953, der „Holland-Flut“, hier dieser Katastrophe, ihren Opfern und des Wiederaufbaus an historischer Stelle gedacht wird und das heute mit dem umliegenden Naturschutzgebiet ein nationale Denkmal darstellt.

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