Fertige Stromleitungen vom Norden in den Süden ab 2016?

Windkraft boomt. Im Norden von Deutschland entstehen immer mehr Windparks kleineren und größeren Ausmaßes. Inzwischen liegt der Anteil von Strom aus Wind im deutschen Energiehaushalt bereits bei über 10 %.

Aber es besteht nach wie vor die Problematik der fehlenden Überlandleitungen, um den im Norden produzierten Wind auf ganz Deutschland zu verteilen. Die bestehenden Kapazitäten reichen inzwischen nicht mehr aus und viele Windräder stehen zeitweise still, nur weil die Leitungen überlastet sind. Davon profitieren im Grunde nur die großen Kraftwerksbetreiber, deren Anlagen über das ganze Land verteilt sind.

Darum ist ebenso klar, dass sich die Betreiber der Leitungen, die in der Regel auch Kraftwerksbesitzer sind, mit dem Ausbau Zeit lassen. Damit würden Sie die Konkurrenz nur stärken. Die großen Energieversorger argumentieren mit den Kosten für den Netzausbau, der von Ihnen nicht getragen werden kann. Gleichzeitig versuchen die gleichen Unternehmen mit genau dieser Argumentation, nun aber umgekehrt, den Strompreis für ihre Energie zu erhöhen.

Der Gesetzgeber hat zwar im Jahr 2009 ein Gesetz zum Ausbau der Energieleitungen verabschiedet, das genau wie die seit Jahrzehnten bestehende Bedarfsfeststellung im Straßenbau funktioniert, aber durch die Übertragungsnetzbetreiber TenneT, 50Hertz, Amprion und TransnetBW bisher nur sehr schleppend umgesetzt wurde. Von insgesamt 1834 Kilometern neuer Leitungen sind gerade mal 214 Kilometer realisiert. Im Gesetz aus dem Jahr 2009 sind 24 Vorhaben festgelegt worden, die dem Ausbau der Leitungen dienen. Davon befinden sich gerade mal 16 im Genehmigungsverfahren. Vier der 24 Vorhaben sind abgeschlossen. Unter den Vorhaben sind auch Pilotstrecken zur Verlegung von Erdkabeln, die die Belastungen durch Freikabel vermeiden. Von diesen Vorhaben ist noch keines im Betrieb.

Es wird damit gerechnet, das bis zum Jahr 2016 immerhin etwa die Hälfte der geplanten neuen Leitungen bestehen. Allerdings wird immer noch zäh um die Kosten gestritten und leider muss man sagen, dass die Lobbyarbeit der Kraftwerksbetreiber Früchte trägt. So brachte der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig den Plan zur Schaffung einer staatlichen Betreibergesellschaft Ferti ins Gespräch. Damit wären die Kosten von den Kraftwerksbetreibern auf den Steuerzahler abgewälzt. Dazu muss klar gesagt sein, dass die Übertragungsnetzbetreiber alles Unternehmen sind, die zumindest anteilig den großen vier Energieerzeugern in Deutschland gehören. Diese profitieren folglich doppelt bei der Festlegung des Strompreises, denn der beinhaltet die Kosten der Netzübertragung. Geld zum Ausbau der Netze ist da, keine Frage.

Eine weitere Problematik beim Netzausbau ist im Planfeststellungsverfahren zu sehen. Für die Feststellung der Bedürfnisse zum Netzausbau sind, bis auf grenzüberschreitende Ausnahmen, die Bundesländer zuständig. Aus diesem Grund kann eine Planfeststellung auch ein Politikum sein.

Im Großen und Ganzen gesehen steht Deutschland aber mit dem bestehenden Energienetz nicht schlecht da und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Netze soweit ausgebaut sind, dass für bestehende und kommende Windkraftanlagen im hohen Norden genügend Leitungskapazität vorhanden ist. Hier hat der Verbraucher selbst ein gewichtiges Wort mitzureden. Je mehr Kunden auf Ökostrom umsteigen, desto eher werden die Vorhaben des Gesetzes zu den erneuerbaren Energien umgesetzt.

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