Der Friesennerz – Haute Couture des Nordens

Der Friesennerz – Haute Couture des Nordens

Der Friesennerz zeitlos und praktisch

Bekannt als Friesennerz oder auch als Ostfriesennerz hatte dieses praktische und unverwüstliche Kleidungsstück ab dem Beginn der 1970er Jahre insbesondere für Gäste und auch Bewohner der norddeutschen Küstenregionen ein absolutes Muss.

Dabei hatte die ursprünglich für Berufsfischer und den Segelsport konzipierte wasserdichte Bekleidung eigentlich gar nicht mit den Friesen bzw. Ostfriesland zu tun: Die Entwicklung der Funktionsjacke etwa in der Länge eines Parkas geht auf eine im Jahr 1968 von dem Dänen Jan E. Ansteen Nielsson aus dem kleinen dänischen Ort Hørve zurück, der für die Textilie auch gleich mit den Initialen von Vornamen und Nachnamen mit dem Anhängsel „tex“ gleich den Firmennamen schuf – „Jeantex“.

Gestartet als dänische „gul regnfrakke“, als „gelbe Regenjacke“, war diese zunächst „nur“ als eine wasserdichte Arbeitsbekleidung für seefahrende Menschen gedacht. Mit der großen Kapuze, den großformatigen Taschen mit Klappen und einer Frontleiste mit Druckknöpfen und dem Hauptmerkmal der Jacke: die leuchtende Signalfarbe des PVC-beschichteten Außenmaterials – in einem auffälligen Gelb bzw. Orange, was von großem Vorteil bei der Suche auf See war und ist, wenn ein Fischer oder Sportbootfahrer „über Bord“ gegangen war.

Inwiefern die Friesen oder speziell die Ostfriesen nun Anteil an der rasanten Verbreitung der Jacke ab 1970 an der deutschen Nord- und Ostseeküste hatten, ist nicht belegt. Vielleicht war es der Komiker und das Friesen-Urgestein Otto Waalkes, der mit seinen Ostfriesenwitzen, die vom Ende der 1960er Jahre bis zu Beginn der 1980er Jahre in aller Munde und sehr beliebt waren, den Begriff „Ostfriesennerz“ mit prägte.

Tatsache ist jedoch, dass die Jacke gerade aufgrund des oftmaligen „Schiet-Wetters“ an der Küste als Schutzkleidung einen derartigen Boom bei Urlaubern und Einheimischen erlebt, dass man durchaus von einer Jacke mit Kultstatus sprechen kann. Gerade im Frühjahr und im Herbst prägen steife Brisen und Regen das Wetter an der Küste und mit einer solchen Jacke im Gepäck konnte man Wind und Wetter trotzen und unbeschwerte Spaziergänge am Strand unternehmen und sah zudem recht gut angezogen aus.

Obwohl Friesennerze heute eher selten zu sehen sind, gibt es noch immer eine gar nicht so kleine Fangemeinde, die dem Schlechtwetterklassiker treu geblieben ist und den Stränden an der Nord- und Ostsee bei Schmuddelwetter damit farbige Kontraste verleiht, denn inzwischen gibt es die Wendejacke längst nicht mehr nur in den klassischen gelben Farbtönen, die Farbpalette reicht heute von Weiß über Grüntöne bis hin zu blauen Farben. Und während der Friesennerz ursprünglich ein Unisex-Produkt war, gibt es ihn heute für Frauen, Männer und Kinder und für diese Fan-Gemeinde wird Friesennerz noch heute von der Firma „Jeantex“ produziert, die jedoch inzwischen in Rellingen bei Hamburg ansässig ist.

Und mal ehrlich, wer hat sie noch nicht gesehen, die modernen Großstädter, die den Friesennerz heute lässig zu Jeans und Turnschuhen oder mit Rock oder Röhrenjeans zu Stiefeln tragen und das nicht nur bei Regenwetter und oft auch mit der Stoffseite nach außen. Das dürfte wohl ein eindeutiges Indiz dafür sein, dass die Wendejacke mit dem Coolness-Faktor noch heute „en vogue“ ist.

Wohl nur ein echter Seebär würde den Friesennerz „Haute Couture“ nennen. Aber nett ist dieser Gedanke schon !

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