Hüter der Punkte – das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg

Hüter der Punkte – das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg

Es ist heute einfach „in“: Ob man z.B. mit  der DeutschlandCard  Punkte sammelt  oder sich Bonuspunkte mit der PAYBACK-Karte sichert  oder  beim Reisen bahn.bonus-Punkte erhält  – Punkte sind ein vielfach erfreulicher Nebeneffekt  bei Einkäufen in diversen Geschäften, bei Hotelübernachtungen, beim Tanken, bei Flugbuchungen und  sogar bei Fährüberfahrten verschiedener  Reedereien.

Nur ein „Punkte-Konto“ ist vollkommen unpopulär und wenig  gefragt: Das Sammeln von Punkten  im  „Verkehrszentralregister“! Und wenn man irgendwo im Land von  Flensburg spricht, dann bringt  fast jeder die Stadt erst einmal  mit dem „Sündenregister“ in Verbindung – meist noch vor Beate Uhse, den Flensburger Pils  oder dem Flensburger  Rum.

60 Jahre Verkehrssündenregister Flensburg

Vor  60 Jahren, am 11.10.1956,   beschloss der Bundestag  die Einführung einer  zentralen  Kartei zur Erfassung von  Verkehrssündern im Kraftfahrt-Bundesamt in  Flensburg – dem Verkehrszentralregister.

Eingeführt wurde diese  Kartei  jedoch erst  fast zwei Jahre nach der Beschlussfassung  am  02.01.1958,  wobei  zunächst  ein Register entstand, in dem Versagungen und Entziehungen von Fahrerlaubnissen, die Untersagung des Führens eines Kraftfahrzeuges  und die Rücknahme dieser Maßnahmen  gespeichert  wurden. Dabei waren  es  keinesfalls  Sanktions-  oder  Strafgedanken, die  der  Konstruktion des „Verkehrszentralregister” zugrunde  lagen – es  waren vielmehr  die  bürgernahen  Überlegung,  eine  Minderheit  von  Verkehrsteilnehmern  zu  künftig korrektem  Verhalten  im Straßenverkehr  zu bewegen.

Finanzielle Ahndungen  wurden ab  01.01.1969  in einer Höhe ab 20  DM aktenkundig,  ab  01.09.1972  wurde  diese  Eintragungsgrenze  in  das Verkehrszentralregister auf  40  DM  angehoben.

Aber erst am 01.05.1974 erfolgte  die Einführung  des  sogenannten „Mehrfachtäter-Punktsystems“  nach der Methode  der einheitlichen

Wertung  von Verkehrsverstößen  auf der Grundlage  eines Maßnahmenkataloges  bei Gleichbehandlung aller im Straßenverkehr auffällig gewordenen Personen.  Im Gegensatz  zum groben

Bewertungsmuster, das vor 1974  angewendet wurde, lagen  hiermit  die Vorzüge  in seiner Differenzierung, seiner Gerechtigkeit  und  seiner Transparenz.

Das  Punktsystem  und  die  Zuverlässigkeit  von  Auskünften  über  den  „Punktestand”  geben  jedem  Bürger  die Möglichkeit,  das  Ausmaß  des  eigenen  Fehlverhaltens  laufend  selbst  zu  beobachten  und  rechtzeitig  zu  korrigieren.

So leistet das Verkehrszentralregister mit dem einerseits präventiven andererseits verkehrserzieherischen Charakter seinen Beitrag  zur Verkehrssicherheit – für alle, auch wenn nicht alle das so sehen mögen.

Kraftfahrt-Bundesamt als Bundesoberbehörde – Aufgaben mit Geschichte

Das „Gesetz  über  die  Errichtung  eines  Kraftfahrt-Bundesamtes“  vom  4.  August  1951  war die Grundlage für die Schaffung des  Kraftfahrt-Bundesamtes  als  Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des  Bundesministeriums  für  Verkehr für  Aufgaben  des  Straßenverkehrs.

Gleichzeitig übernahm die  Behörde im Rahmen der ihr übertragenen Aufgaben gleichzeitig teilweise  Funktionen ehemaligen Reichsstelle:

Bereits 1910 errichtete man in Berlin die „Sammelstelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen“ – die erste Führerscheinstelle in Deutschland überhaupt -, um die wachsende Zahl der Autofahrer zu registrieren. 1934 entstand ebenfalls in Berlin der Vorläufer der KFZ Zulassungsstelle, die „Sammelstelle für Nachrichten über Kraftfahrzeuge“; 1937 dann die „Reichsstelle für Typprüfung von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen“. Die Aufgaben dieser  drei Behörden wurden 1952 im „Kraftfahrt-Bundesamt“  in Flensburg zusammengeführt, nachdem sich von 1945 bis 1952 die

„Sammelstelle  für  Nachrichten   über   Führer  von Kraftfahrzeugen“  von 1945 bis 1952 in Bielefeld befand

Reform des Punktesystems und Kontrolle in Sachen Abgasmanipulationen

Im Volksmund auch das „Stille Haus an der Flensburger Förde“ genannt, war und ist die Arbeit in den vergangenen Jahren hier keinesfalls  still, ruhig  oder  gar beschaulich verlaufen.  So wurde mit der Herstellung der Deutschen Einheit am  03.10.1990 das Kraftfahrzeugtechnische  Amt  (KTA) der ehemaligen DDR in  die Bundesverwaltung übernommen  und  dem  Kraftfahrt-Bundesamt  zugeordnet. Bis zum  01.01.1994 wurde der gesamte Fahrzeugbestand  der  neuen  Bundesländer dann im  Zentralen Fahrzeugregister  in Flensburg komplett erfasst und  gespeichert.

Noch  sehr viel Aufmerksamkeit erfuhr das Kraftfahrt-Bundesamt im Zusammenhang mit der am 1. Mai 2014 in Kraft getretenen Reform des Punktesystems, bei der zeitgleich das frühere Verkehrszentralregister in Fahreignungsregister umbenannt wurde.

Mit  dem Inkrafttreten der Reform wurden zunächst alle Eintragungen gelöscht, die nach den neuen Vorschriften nicht mehr im Fahreignungsregister (FAER) zu speichern waren. Die danach verbleibenden Punkte wurden entsprechend der neuen Punkteregelung umgerechnet. Damit verbunden war eine zwischenzeitlich erheblich gestiegene Nachfragen  aus der Bevölkerung nach  dem persönlichen  „Punktekonto“,  entweder als Online-Auskunft, per Antrag auf dem Postweg oder direkt „vor Ort“ im „Auskunftspavillon“, wo die Möglichkeit besteht,  den Antrag auf Auskunft aus dem Fahreignungsregister direkt zu stellen.

Auch in Sachen Abgasmanipulationen und Abgasskandal von Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt seit Monaten internationale Berühmtheit  erlangt. So wacht  das KBA seit Anfang des Jahres über den Rückruf von europaweit 8,5 Millionen manipulierten Dieselfahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern. Inzwischen werden auch die Abgaswerte andere Autohersteller genauestens unter die Lupe genommen. Nahm das KBA selbst  bisher keine eigenen Messungen vor und ließ entsprechende Tests  ausschließlich von den benannten technischen Diensten durchführen, soll hier nun auch eigene Prüftechnik aufgebaut werden. Bereits im Herbst sollen zwei mobile Anlagen für Messungen auf der Straße einsetzbar sein und auch ein eigenes Prüflabor soll kommen. Im Gespräch ist derzeitig auch die Möglichkeit einer Nutzung der Landebahn des ehemaligen Flugplatzgeländes in Leck im Kreis Nordfriesland um hier  einen Prüfstand  und eine Teststrecke zur Durchführung von Abgasmessungen und Ausrollversuchen einzurichten.

Damit werden auch zum bevorstehenden 65. Jubiläum des KBA in Flensburg im Jahr 2017 die  Aufgaben nicht weniger und nicht zu Unrecht steht hierfür das eigene Motto „Wir punkten mit Verkehrssicherheit!“

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.