Stunde der Gartenvögel 2016

Stunde der Gartenvögel 2016

Alle Vögel sind schon da…

Wer kennt es nicht, eines der wohl bekanntesten deutschen Frühlings- und Kinderlieder, dessen Text von Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) 1835 verfasst und in seinen Gedichten 1837 veröffentlicht wurde und ebenfalls 1837 als Lied durch Ernst Richter seine erste Vertonung erfuhr:
„Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle.“
Aber sind, oder besser gefragt, waren sie denn wirklich alle da?
Um das herauszufinden, wie viele Vögel inzwischen aus ihren südlicheren Winterquartieren hierher zurückgekommen sind und wie viele Vögel am Standort gut die Wintermonate überstanden haben (der nun ja 2015/16 sogar einer der wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881 war) wird seit 2005 deutschlandweit durch den NABU und seine Schwesternorganisation, des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ jeweils im Mai durchgeführt.
Hintergrund der Aktionist das Anliegen, über die wahren Bestände der Vögel rund um Haus und Garten bessere Kenntnisse zu erhalten und mehr Klarheit darüber zu erzielen, wie viele Vögel tatsächlich die Städte und Dörfer als Lebensraum nutzen. Deshalb wird diese Zählung, die deutschlandweit die größte Aktion zur Vogelbeobachtung ist, auch explizit nur in diesem Bereich und nicht etwa im Wald oder in der Feldflur durchgeführt.

Die Sunde der Hobby-Ornithologen

Traditionell findet die Vogelzählung am 2. Mai-Wochenende eines jeden Jahres statt. So waren vom 14. bis zum 16. Mai 2016 (dank des Pfingstmontags) insgesamt 44.700 Vogelfreundinnen und Vogelfreunde emsig beim Beobachten und haben aus 29.600 Gärten und Parks insgesamt 1,09 Millionen beobachtete Vögel gemeldet.
Dabei wurden von einem Festpunkt, egal ob Fensterplatz, Terrasse, Balkon, Gartenlaube o.ä. eine Stunde lang die erspähten Vögel gezählt und notiert und diese Ergebnisse weitergeleitet.
Die Form der freiwilligen Mitarbeit breitester Bevölkerungsschichten an solchen Projekten nennman in „neudeutscher “ Mundart „Citizen Science“, was schlichtweg Bürgerforschung heißt und wobeieben Bürger projektbezogen mehr oder weniger leicht wichtige Daten zur Verfügung stellen können. Die Datentausender Naturfreunde geben hier z.B. im Rahmen von Langzeitstudien Auskünfte über Populationsentwicklungen verschiedener Vogelarten, ihre Standorttreue und ihr Nistverhalten sowie ihre Reaktion auf bestimmte Umweltveränderungen.

In Schleswig-Holstein: Der Spatz hat den Schnabel vorn

Im bundesweiten Ergebnis der „Stunde der Gartenvögel“ führte, wie bereits im vergangenen Jahr, der Haussperling die Rangliste fast unverändert an, gefolgt von Amsel, Kohlmeise, Star und Blaumeise, die sich im Ranking gegenüber dem Vorjahr (Anzahl der Vögel
pro Garten) leicht verbessern konnten.
Verlierer der „Stunde der Gartenvögel“ sind die beiden Flugkünstler Mehlschwalbe (Platz 11) und Mauersegler (Platz 12), die als typische Siedlungsvögel fast ausschließlich in Städten und Dörfernbrüten. Ein Grund für den Rückgang ihrer Zahlewird vor allem im Verlust von Brutplätzen an gedankenlos renovierten Häusern, zum Teil sogar in mutwilliger und illegaler Zerstörung von Nestern, gesehen.In Schleswig-Holstein beteiligten sich 2280 Vogelfreunde, die in 1393 Gärten insgesamt 57713 Vögel gezählt haben.
Auch hier blieb der Haussperling auf Platz 1, gefolgt von Amsel, Feldsperling, Kohl- und Blaumeise. Der Star landete im nördlichsten Bundesland auf Platz sechs. Im Kreis Nordfriesland sieht das Ranking der beobachteten Vogelarten ein klein wenig anders aus:
Auf Platz 1 lag hier der Feldsperling, der sich gegenüber dem Vorjahr um 3,93 % verbessern konnte (Anzahl der Vögelpro Garten). Ebenfalls mit Steigerungsraten bei den beobachteten Vögeln folgten dann die Amsel (+1,93%), der Haussperling (+0,60%) und die Ringeltaube (+1,79%). Die Plätze danach gingen an die Kohlmeise und die Blaumeise – ebenfalls mit Zuwächsen in der Anzahl der Vögel pro Garten gegenüber dem Vorjahr. Auf Rang 7 liegt hier der Star.

Die Mehlschwalbe belegt in Nordfriesland den 14. Platz und der Mauersegler liegt hier auf dem 25. Platz – allerdings beide mit einer verhaltenen Verbesserung bei den beobachteten Vögeln pro Garten gegenüber dem Vorjahr, im Bundestrend finden sich beide Vogelarten allerdings auf Platz 11 und 12.

Piepmätze in Gefahr ?

Trotz dieser recht guten Ergebnisse, die einen relativen ausgeglichenen und sicheren Bestand an einigen Vogelarten in unserer Heimat dokumentieren, sind unsere Gartenvögel einer Fülle von Gefahren ausgesetzt: Gerade in den Siedlungsbereichen der Menschen ist die Sterblichkeit vieler Vögel hoch. An erster Stelle steht hier einerseits eine hohe Katzendichte, die leider oft auch außerhalb des eigenen Grundstücks mit einem angeborenen Jagdtrieb unterwegs sind. Andererseits gibt es hier viele technische Einrichtungen, die sich oftmals als Gefahrenquellen für Vögel erweisen, so z.B. der Verkehr auf den Straßen, Störungen bzw. Anziehung durch Lichtquellen und besonders auch die vielen Glasflächen. Viele „Kollisionsopfer“ finden sich vor allem dort, wo Vögel durch die Scheiben hindurch Bäume und Sträucher sehen können oder wo die Scheiben die Umgebung reflektieren.

Auch die zum Schutz von aufgehenden Saaten in den Gärten gespannten Netze oder Netze über Obstbäume bzw. Rebnetze können bei unsachgemäßem Einsatz zu Todesfallen für Vögel werden. Mit der richtigen Wahl der Netze, z.B. sehr engmaschiger Schutznetze, kann hier viel Leid vermieden werden.

Hilfe für die bunte Vielfalt der Gartenvögel

Wohl den meisten Menschen gefällt es, schon am frühen Morgen mit den vielfältigen Vogelstimmen vom Frühjahr bis zum Herbstbeginn geweckt und auch tagsüber unterhalten zu werden.
Aber der Mensch kann den Vögeln auch einiges zurückgeben und sie z.B. bei der Ansiedlung im Garten oder in der Umgebung der Wohnsiedlungen durch Anbringung von Nisthilfen unterstützen.
Denn: Viele der sonst in Höhlen brütenden Vogelarten, darunter verschiedene nützliche Insektenvertilger, leiden heute allgemein unter dem Mangel an natürlichen Höhlen. Es ist dem Ordnungssinn und dem wirtschaftlichen Denken des Menschen zuzuschreiben, dass es immer seltener morsche Bäume und verwitterte Gemäuer gibt, in denen sich Nistgelegenheiten anbieten. Aber der Mensch kann in seinem Wohnumfeld, wie z.B. im Garten, den Bestand an Höhlenbrütern fördern, indem man alte Bäume stehen lässt oder künstliche Nisthilfen anbringt.
Nistkästen kann man mit einigem Geschick selber basteln oder als Bausatz zum Zusammenbau oder als fertigen Nistkasten kaufen. Dazu sollten jedoch auf jeden Fall einige Hinweise beachtet werden:

· Die Idealhöhe zum Aufhängen liegt zwischen 1,5 und 5 Metern.
· Das Einflugloch sollte vorteilhaft in Richtung Südosten weisen.
· Die Aufhängung der Nisthilfe sollte im Schatten oder Halbschatten sein.
· Nisthilfen sollten bereits im Herbst, spätestens aber im Vorfrühling angebracht werden.
· Nistkästen sollten ab Ende August gereinigt werden

Es scheint wirklich unser aller Mühe wert zu sein, sich um unsere gefiederten Mitbewohner zu kümmern, damit auch in den nächsten Jahren wieder alle Vögel da sind.

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