Sag mir, wo die Krabben sind…

Sag mir, wo die Krabben sind…

Die Meldung ließ aufhorchen: Das traditionelle Krabbenwettpulen in Hörnum /Sylt musste kürzlich wegen der aktuellen Preise für Krabben abgesagt werden.

Die Begründung für den derzeitigen Verzicht auf eine langjährige Tradition auf Sylt sind die gegenwärtigen Preise, die zurzeit für Krabben verlangt werden und mit der fast utopisch klingenden Summe von 30 Euro pro Kilogramm angegeben werden.
Diese Nachricht deckt sich mit einer Information, wonach bereits Anfang Juni an den St. Pauli Landungsbrücken in Hamburg für ein Krabbenbrötchen 9,50 Euro verlangt wurde und damit der Preis für ein Brötchen mit Räucheraal damit bei weitem überboten wurde. Auch in der Gastronomie werden Angebote mit Krabben mehr als zurückhaltend auf die Speisekarten gesetzt, weil die Kalkulation solcher Gerichte Preise hervorbringt, die kaum ein Gast bereit ist zu zahlen.

Da fragt sich der Gast und Liebhaber der verschiedenen Gerichte mit Krabben, die eigentlich Nordseegarnelen heißen, ob diese in Zukunft ganz vom Speiseplan gestrichen werden müssen und viele Einheimische und Schausteller sehen besorgt darauf, ob die inzwischen 19. Husumer Krabbentage am 15. und 16. Oktober 2016 wie das Hörnumer Krabbenwettpulen aus Mangel an Krabben ebenfalls abgesagt werden müssen.

Krabben Notstand aus fischereibiologischen Gründen

Dass den Fischern im Wattenmeer aktuell nur wenige Krabben in die Netze gehen und diese damit zurzeit Mangelware und überproportional teuer sind, hat in erster Linie jahreszeitlich bedingte Gründe, denn die geringen Fangmengen sind im Frühjahreigentlich normal und von Anfang Mai bis Mitte Juli ist für die Krabbenfischerei immer eine flaue Zeit. Dazu kommt, dass nach Einschätzung des Thünen-Instituts für Seefischerei in Hamburg der letzte Krabbenjahrgang sehr klein ausgefallen sei. Ungünstige Meerestemperaturen durch natürlichen Schwankungen und die Veränderung von Strömungsverhältnissen haben einen direkten Einfluss auf den Bestand der Krabben, von denen rund 90 % ohnehin nur ein Jahr leben.
Ein weiterer Grund bei der gegenwärtigen Ertragssituation im Krabbenfang wird insbesondere auch darin gesehen, dass in der Nordsee die Zahl der natürlichen Fressfeinde durch vorangegangene Regulierungsmaßnahmen der Fangquoten zugenommen hat. Insbesondere die Bestände an Wittling und teilweise auch an Kabeljau haben sich im Bereich der südlichen Nordsee weiter erholt, so dass durch den Rückgang der Überfischung dieser Fischarten nun auch die Fressfeinde der Krabben und die „Konkurrenz“ der Krabbenfischer zugenommen haben.
Ein weitere Grund der gegenwärtigen Verknappung und das damit verbunden Preishoch für Krabben hat direkt auch mit der Vermarktung zu tun: Das niederländische Unternehmen Heiploeg, der europäische Marktführer für die Einfuhr, die Verarbeitung und den Verkauf von Krabben, damit auch der deutschen Nordsee-Krabben, wurde von dem ebenfalls aus den Niederlanden stammenden Unternehmen Parlevliet & van der Plast übernommen. Dieser Fischgroßhändler verfügt über ein noch größeres Netz von Kunden, so dass sich der Absatz von Krabben über weit mehr Abnehmer als bisher verteilt, was sich bisher bereits in einer Verringerung der Marktanteile bei der Anlandung in Schleswig-Holstein und Niedersachsen von 30 bis 40 Prozent auswirkte.

Die Hautsaison für den Krabbenfang kommt noch

So rosarot wie die frisch gepulten Krabben aussehen, werden die künftigen Zeiten für die Liebhaber eines Krabbenbrötchens wohl nicht sein – aber Bangemachen gilt nicht: Die meisten Krabben wachsen, in Abhängigkeit von der Wassertemperatur, im Zeitraum August/September heran. Daraus ergibt sich der Herbst als Hauptfangzeit von September bis November, wenn die Nordseekrabben schön groß und gut im Futter sind. In dieser Zeit wird üblicherweise mehr als die Hälfte des Jahresfangs angelandet.
Allerdings ist auch davon auszugehen, dass das Niveau der Erzeugerpreise für Krabben nicht wieder auf die Tiefststände der vergangenen Jahre absinken wird. Es wird sie aber mit Sicherheit auch weiterhin geben – die leckeren Krabbenbrötchen und deren Liebhaber, auch wenn sich in nächster Zeit ein Brötchen mit 70 bis 80 Gramm Krabbenfleisch preislich um die knapp fünf Euro einpendeln wird. Und auch den Direktverkauf der Krabben vom Kutter im Hafen wird es weiterhin geben – genau wie die 19. Husumer Krabbentage.

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