Winterzeit – Erntezeit für Reet

Winterzeit – Erntezeit für Reet

das beliebte Material für die Dacheindeckungen der Nordseeregion

Wer kennt sie nicht und wer mag sie nicht gerne ansehen, die Aushängeschilder norddeutscher Landschaftsbilder – reetgedeckte Häuser. Dabei sind die landschaftlich abweichenden Bezeichnungen für das Reetdach, wie es vorwiegend an der deutschen Nordseeküste genannt wird oder das Rohr- oder Schilfdach, von dem man in Mecklenburg-Vorpommern spricht, unerheblich: Gemeint ist in jedem das Naturprodukt, das im getrockneten Zustand zur Dacheindeckung verwendet wird und sowohl als Reet, Reeth, Reth, Reith, Ried, Riet oder Rohr bezeichnet wird.
Das vorwiegend in seichten Uferzonen der Seen, in Feuchtmoorgebieten oder auf sumpfigem Gelände wachsende Schilfrohr hat sich hat sich als Deckmaterial für Hausdächer bereits seit Jahrhunderten bewährt und ist somit ein traditioneller Baustoff.
Außerdem wohnt man unter einem Reetdach sehr gesund, es filtert die Luft, reguliert die Feuchtigkeit und kommt zudem ohne chemische Zusätze aus. Ein natürliches Strohdach bietet damit eine gesunde Atemluft im Haus.

Reet-Ernte – Arbeit unter Zeitdruck
Für die Ernte Naturmaterials steht den Reet-Bauern und ihren Helfern nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung: Die Schilf- oder Reetzonen an den See-Ufern oder den Rändern von Mooren stehen größtenteils unter Schutz und dürfen nur von Anfang November bis Ende Februar abgeerntet werden, weil sie Rückzugs- und Lebensraum für verschiedene Vögel sind.
Außerdem muss es für eine gute Reet-Ernte möglichst kalt und t trocken sein, denn nur so erreichen die Pflanzen den perfekten Härtegrad. Am besten sind konstante Minusgrade und vor allem kein Hochwasser. Neben Frost sollte das Schilfrohr auch einem kräftigen Wind ausgesetzt sein, damit es die Blätter verliert und somit den bestmöglichen Reifegrad erreicht. So ist die Ernte des Reetsnicht unbedingt eine gemütliche Angelegenheit, wenn sie im Winter bei schneidender Kälte stattfindet.

Hohe Qualitätsansprüche an das Reet als historischer Baustoff
Ein gewisser Kältegrad ist die beste Voraussetzung, dass das Reet abstirbt. In dieser Phase zieht sich der Zucker in der Pflanze aus den Halmen in die Wurzel zurück. Damit ist gewährleistet, dass die Pflanzen nach der Ernte nicht beginnen, zu schimmeln. Würden in der Ernteperiode warme Tage kommen, beginnt die Pflanze wieder zu sprießen und man würde beim Weiterschneiden wir die Ernte des nächsten Jahres zerstören. Wurde früher das Schilf noch in Handarbeit aufwändig mit der Sichel geschnitten und auch per Hand gebündelt, wird diese Arbeit heute mit einem speziellen Amphibienfahrzeug erledigt, das die Halme gleich bündelt. Messerscharf schneiden solche Maschinendie Halme so weit unten ab wie möglich ab, denn je länger das verwendete Reet ist, desto flacher und dicker kann das Dach hergestellt werden. Bei Verwendung eines zu kurzen Reets nehmen die Reethalme eine deutlich geringere Neigung im Dachpaket an und können damit das Niederschlagswasser schlechter ableiten.Die weit unten geschnittenen Halme sind dort am härtesten. Fest, biegsam und gelblich braun – so sieht das perfekte das Reet aus.
Das für die Dacheindeckung verwendete Reet muss bei der Anlieferung absolut trocken sein. Hierfür darf es von der Ernte bis zur Anlieferung nicht dem Niederschlag ausgesetzt werden.
Die Qualität des heute geernteten Reets ist Voraussetzung, dass ein Reetdach im Durchschnitt eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren hat. Dabei sind aber auch Dächer bekannt, die über 100 Jahre alt wurden.

Die sorgfältige und fachgerechte Ernte des Reets hat jedoch nicht nur einen wirtschaftlichen Aspekt , sondern dient gleichzeitig auch dem Natur- und Umweltschutz, denn durch das Schneiden wächst das Reetwieder schön gerade und kräftig nach und bietet wiederum Nahrung und Brut- und Schutzgebiete für die verschiedensten Vogelarten.

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