Rote Grütze – Der nordische Klassiker

Rote Grütze – Der nordische Klassiker

 

 

 

Auf der Dessertkarte jedes Landgasthofes und jedes Restaurants im Norden unseres Landes, in denen mit regionaler Küche geworben wird, ist sie als Klassiker des Sommers eigentlich zu finden  – Rote Grütze.

 

 

Rote Grütze passt als Nachtisch wohl zu (fast) jedem Gericht

Zur Mittags- oder Abendzeit freuen sich viele Urlauber auf die regionalen Besonderheiten der norddeutschen Küche, wobei der Fisch in allen Variationen für viele ganz oben auf dem persönlichen Speiseplan steht – natürlich am liebsten gebraten und noch lieber mit einer ordentlichen Portion Bratkartoffeln. Die traditionelle norddeutsche Küche bietet darüber hinaus natürlich auch solche Spezialitäten wie Deichlamm, Heidschnucken-Braten, Wildente, Kartoffelsuppe und Steckrübeneintopf, Labskaus mit Spiegelei und Rollmops und natürlich auch Fleischspezialiäten wie Schnitzel oder Rumpsteak vom Galloway-Rind oder deftige Gerichte mit Kohl aus Dithmarschen oder Grünkohl mit Pinkel. Nicht fehlen darf in der Liste der norddeutschen Gerichte natürlich der Kartoffelsalat – die norddeutsche Küche liebt es eben deftig-kräftig und auch ein bisschen fettig.

Und natürlich gehört zu einem guten Essen auch ein Nachtisch – eine Essensgewohnheit, auf die viele nicht verzichten wollen. Und da kommt dann eben auf den Speisekarten die „RoteGrütze“, oder „Beerengrütze“ oder „Fruchgrütze“ ins Spiel.

 

Rote Grütze – typisch norddeutsch, oder?

Rote Grütze oder auch „Rode Grüt“ wird in den Kochbüchern gerne als  ist ein typisch norddeutsches Dessert aus Beerenobst beschrieben. Allerdings muss man dazu einschränkend feststellen, dass es hierfür wohl keinen Beleg gibt. Niemand kennt ein Originalrezept für „Rote Grütze“ und das hat einen ganz einfachen Grund: Es gibt keins.

Grütze ist ursprünglich ein Getreidebrei, der aus kleineren  oder größeren zerkleinerten Getreidekörnern von Hafer, Gerste, Hirse, Mais, Roggen oder Weizen hergestellt wurde und früher für Suppen und Breie verwendet wurde. Bekannt sind heute noch Buchweizen-Grütze und die Verwendung in einigen Wurstsorten wie in Grützwurst.

Auf den norddeutschen Höfen wurde die mit Wasser oder Milch gekochte Grütze (meistens aus Buchweizen oder Hafer) oft schon zum Frühstück in einer süßen Variante mit etwas zerlassener Butter, Zucker und Zimt oder manchmal auch mit Rosinen und Apfelstückchen gegessen.

Für eine herzhafte Grütze aß man diese mit Specksoße zum Mittag oder Abendbrot. Sonntags wurden der Grütze auch oft Fleischstückchen beigefügt. Gegessen wurde auf dem Hof gemeinsam und zwar streng hierarchisch: Zuerst nahm sich der Bauer, dann seine Frau und dann ging die Schüssel weiter rum und der Knecht kam zuletzt dran.

Um die Grütze etwas süßer anzurichten und zu verfeinern kann man annehmen, dass irgendwann Saft von roten Beeren beigemischt wurde und sich der  Fruchtanteil im Laufe der Zeit erhöht hat. Statt der Bindung mit Grütze erfolgte dann in moderneren Rezepturen die Bindung mit Speisestärke oder Sago – der Name „Grütze“ blieb jedoch bis heute erhalten.

 

Regional unterschiedlich und in vielen Varianten zu genießen

Je nach Region schmeckt die Rote Grütze anders: Manche bereiten sie nur mit Himbeeren und roten und schwarzen Johannisbeeren zu, andere geben auch Kirschen, Brombeeren oder Erdbeeren hinein. Zugegen werden kann auch roter Saft, z.B. von Johannisbeeren. Selbst die Rhabarbergrütze fällt in die Kategorie eines beliebten und bekannten Desserts – oft in Kombination mit Erdbeeren, Apfel oder Stachelbeeren.

Die Hamburger binden mit Speisestärke, die Schleswig-Holsteiner nehmen dafür Puddingpulver, in anderen Regionen sind auch Sago, Grieß oder Reismehl gebräuchlich. Manche bevorzugen es, wenn die „Rote Grütze“ eher fest ist und wie ein Pudding gestürzt werden kann, andere bevorzugen die etwas flüssigere Variante und reduziert dafür den Anteil der Stärke. Rote Grütze, Beerengrütze oder Fruchtgrütze werden mit Vanillesoße, pur mit Milch oder auch mit Sahne serviert und sind das berühmte i-Tüpfelchen als Nachtisch für norddeutsche Gerichte.

 

Auch bei den skandinavischen  Nachbarn ein beliebtes Dessert

Natürlich behauptet man auch in Dänemark, dass Rote Grütze hier „erfunden“ wurde, weil es sich um ein bereits hundertjähriges Nationalgericht handeln würde. Kann sein – muss aber auch nicht stimmen. Fakt ist, dass „Rødgrød med Fløde“, also Rote Grütze mit Sahne auch hier vorzugsweise und gerne in den Sommermonaten serviert und gegessen wird, natürlich mit frischen Beeren. „Rødgrød med fløde“ – das ist der dänische Zungenbrecher schlechthin. Wer als Ausländer diese drei Worte in Dänisch fließend und verständlich aussprechen kann, wird große Bewunderung und Respekt von den Dänen erhalten.

Während in Deutschland die Rote Grütze ja oft mit Vanillesoße, Milch oder Schlagsahne gegessen wird, bevorzugt man in Dänemark dazu flüssige Sahne. Dazu kommt, dass man Rote Grütze in Dänemark auch als Mittagsgericht essen kann – in einer cremigen Konsistenz und mit kleinen Fruchtstückchen darin.

Als nordischer Klassiker fehlt dieses Dessert natürlich auch nicht in der Runde an einer schwedischen Tafel – als „Kräm på röda bär med grädde“ –  also hier in der Übersetzung ausnahmsweise einmal nicht Grütze, sonders  „Creme von roten Beeren mit Sahne“ genannt und ebenfalls gerne mit Vanillesoße und ebenfalls sehr schmackhaft und frisch.

 

Ein einfaches Rezept

Von den gefühlten …zig verschiedenen Varianten für Rote Grütze, die in Kochbüchern, im Internet, auf Ratgeberseiten bunter Zeitschriften und ähnlichen Quellen im Umlauf sin, hier ein ganz einfaches Rezept aus dem Hamburger Raum, das für 4 Personen gedacht ist:

Also, man nehme:

1 kg Beerenfrüchte in einer beliebigen Mischung

250 Gramm Zucker

80 Gramm Speisestärke

Die gewaschenen Früchte mit ¼ Liter Wasser und dem Zucker zum Kochen bringen. Die Stärke mit etwas kaltem Wasser glatt verrühren (es dürfen keine Klümpchen mehr enthalten sein). Dann die verrührte Stärke unterständigem Rühren zu den Beeren geben und alles noch einmal aufkochen lassen. Die noch heiße Rote Grütze in Dessertschälchen oder eine Schüssel geben und abkühlen lassen.

Die Rote Grütze mit der Vanillesauce servieren.

Übrigens kann man, wenn man möchte, die Rote Grütze zum Dessert auch im Winter nach diesem einfachen Rezept mit Tiefkühlfrüchten zubereiten – auch diese Variante schmeckt sehr gut.

Und dass besonders Kinder an diesem leckeren Nachtisch nicht vorbei kommen, hat der Dichter Hermann Claudius (1878 – 1980) in seinem plattdeutschen Gedicht so treffend ausgedrückt:

 

Rode Grütt

Rode Grütt! Rode Grütt!

Kiek mal, wat lütt Hein hüüt itt.

All´ns rundüm hett he vergeten.

Rode Grütt, dat is en Eten!

Rode Grütt!

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