Eine Seefahrt ist gar nicht immer lustig – Was hilft, wenn Seekrankheit die Reise trübt

Eine Seefahrt ist gar nicht immer lustig – Was hilft, wenn Seekrankheit die Reise trübt

Eine Seefahrt ist gar nicht immer lustig – Wenn Seekrankheit die Reise trübt. Das Lied „Eine Seefahrt, die ist lustig“ von Eric Plessow aus den 1930er Jahren, von vielen Sängern und Sängerinnen gesungen und inzwischen oft mit neuen Versen versehen, ist wohl allseits bekannt und zu vielen geselligen Anlässen beliebt. Man könnte die Textzeile, dass eine Seefahrt eben lustig und schön ist, auch als das Motto eines inzwischen boomenden Massengeschäfts ansehen, dem Pauschalurlaub auf dem Wasser.

Krank auf See und krank an Land – „Seekrankheit“  ist eine Reisekrankheit (Kinetose)

In diesen Volkslied-Klassiker können jedoch nicht alle einstimmen, die eine Reise auf einem Schiff antreten, vor allem nicht dann, wenn sie die Übelkeit an die Reling treibt, um im sprichwörtlichen Sinne „die Fische zu füttern“. Dabei hat das Phänomen der „Seekrankheit“ schon manchem die Freude an einer Seefahrt und den Spaß an Bord verdorben. Dabei ist „Seekrankheit“ keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, ist nicht vergleichbar mit Erkältungskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Erkrankungen des Verdauungssystems, ist also kein pathologischer Prozess, sondern eine Reaktion auf widersprüchliche Bewegungsreize, die der Körper bei Seegang verarbeiten muss: Die Augen sehen auf das feststehende Deck und das Gleichgewichtsorgan im Ohr meldet die ungewohnten Wellenbewegungen, denen das Schiff folgt und die nicht einmal besonders stürmisch sein müssen: Stampf- und Rollbewegungen. Diese Diskrepanz  zwischen den Wahrnehmungsorganen überfordert den Organismus und führt letztlich zu solchen Symptomen wie wiederholtes Gähnen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schweißausbruch, Blässe und Brechreiz  bis hin zum Erbrechen.

Aber nicht nur auf hoher See, sondern oft auch im Auto oder im Flugzeug leiden Menschen an der Reisekrankheit, der Kinetose, für die besonders Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sehr anfällig sind: Wenn man z.B. beim Durchfahren kurviger Strecke oder bei raschen Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen in ein Buch vertieft ist,  aufmerksam einem Film auf dem DVD-Player verfolgt oder am Laptop arbeitet, gibt es ebenfalls Kommunikationsproblem im Kopf, wenn die  Sinnesorgane, die zur Orientierung im Raum laufend widersprüchliche Signale aussenden und damit eine „Kurzschlussreaktion“  im Gehirn auslösen –  Übelkeit und Erbrechen sind auch hier die Folgen.

 

Immun gegen die Seekrankheit?  Leider nur 5 bis 15 Prozent!

An Bord eines Schiffes muss man sich nicht schämen, wenn einen die „Seekrankheit“ ereilt, denn es gibt kaum jemanden, der gegen

Kinetosen gefeit ist: Schätzungsweise sind das nur 5 bis 15 Prozent der Menschen. Andererseits reagieren etwa fünf bis zehn Prozent sehr schnell, wenn durch die Gleichgewichtsirritationen der Körper in einen Alarmzustand versetzt wird und verstärkt Stresshormone ausschüttet. Dabei wird über komplizierte Mechanismen auch das Brechzentrum im Gehirn aktiviert. Das liegt vor allem daran, dass das Gleichgewichtssystem der Menschen unterschiedlich empfindlich ist. So ist bei Kleinkindern unter zwei Jahren der Gleichgewichtssinn nicht vollständig entwickelt – sie spüren noch gar nichts.

So kommt es, dass auch erfahrene und langjährige Seefahrer, z.B. Berufsfischer,  Besatzungsangehörige auf verschiedenen zivilen und militärischen Schiffseinheiten seekrank werden, gewohnheitsgemäß ist es bei diesen Personengruppen aber nach der ersten „Befreiung“ von der Übelkeit mit der Seekrankheit vorbei.

Und es gibt bekannte Menschen, die aus ihrer „Seekrankheit“ keinen Hehl gemacht haben:

Als der Naturforscher Charles Darwin am 27. Dezember 1831mit der HMS „Beagle“ von Devonport  aus zu seiner Forschungsreise in See stach, wurde dieser sofort seekrank.

Gorch Fock – der mit bürgerlichem Namen Johann Wilhelm Kinau hieß, wäre nach seiner Schulzeit gerne Seemann geworden, aber für diesen Beruf war er zu schwächlich  und er wurde schnell seekrank.

Auch für den Dichter Heinrich Heine war seine Seekrankheit während einer Fahrt auf der Nordsee ein so nachhaltiges Erlebnis, dass er dieses  in seinem Gedicht „Seekrankheit“ festhielt.

Selbst der berühmte Admiral Horatio Nelson, Sieger in der Schlacht von Abukir  und Seeheld der  Schlacht von Trafalgar litt Zeit seines Lebens stark an der Seekrankheit.  Damit befindet er sich in bester Gesellschaft weiterer großer Seefahrer und Entdecker wie Magellan, James Cook und Hornblower und sogar dem bekannten Piraten Sir Francis Drake wird Seekrankheit nachgesagt.

 

Tipps gegen Seekrankheit – wie immer ohne Gewähr

Ein Mittel oder helfende Hinweise mit 100% Garantie, dass diese auch tatsächlich und bei jedem Menschen wirken, gibt es leider nicht. Trotzdem hier einige Tipps, von denen es im Internet natürlich noch wesentlich mehr gibt.

Vorweg der Hinweis, dass es gegen Seekrankheit Medikamente, wie Pillen, Tabletten, Kaugummis und Pflaster gibt, deren Empfehlung oder Ablehnung hier nicht Gegenstand der Erklärung sein kann, da diese in einigen Fällen auch nicht frei von Nebenwirkungen sind – Fragen Sie dazu immer Ihren Arzt oder Apotheker.

An Bord von Kreuzfahrtschiffen bekommt man Tabletten gegen Seekrankheit üblicherweise im Bedarfsfall auch an der Schiffsrezeption oder durch den Schiffsarzt, der in schlimmeren Fällen auch eine Infusionslösung verabreichen kann.

Dazu der Tipp, dass Tabletten nur helfen können, solange man noch nicht erbrechen musste. Eine gerade eingenommene Tablette, die mit dem Mageninhalt an der Reling wieder außenbords gebracht wird, hat keinerlei Wirkung. Daher rechtzeitig schon bei den ersten Anzeichen der Seekrankheit das Medikament einnehmen.

Ein natürliches Mittel,  das immer wieder empfohlen wird, ist Ingwer. Es diente Seeleuten schon seit Jahrhunderten als Mittel gegen Seekrankheit, indem es auf das Brechzentrum wirken soll und damit die Übelkeit lindert. Der Vorteil von Ingwer, den man entweder in Form von Tabletten oder Kapseln kaufen, als Tee zu sich nehmen oder roh kauen kann, ist, dass er nicht müde macht, allerdings ist seine Wirkung auch schwächer als die von Medikamenten.

Von vielen Teilnehmern an Kreuzfahrten und anderen Seereisenden (z.B. Seglern)  werden gegen Seekrankheit Akkupressur-Armbänder empfohlen, die von der Wirkungsweise der traditionellen chinesischen Medizinentlehnt sind. Diese sind allerdings mitunter nicht ganz billig und ihre Wirkung wird teilweise auch sehr unterschiedlich bewertet. Trotzdem wird damit, z.B. im Internet, das große Geschäft und schnelles Geld gemacht. Also auch hier vergleichen bzw. beraten lassen – am besten in der Apotheke.

Seit einigen Jahren ist auch ein Produkt aus der Schweiz auf dem Markt, das  der Seekrankheit ein Ende bereiten soll: Eine Spezialbrille mit Horizontbalken in den Gläsern. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine ganz normale Sehhilfe. Der Unterschied zur normalen Brille liegt in einem doppelwandigen Glas, in dessen flüssigkeitsgefülltem Hohlraum feine Balken wie in einer Wasserwaage schwimmen und so dem Auge einen ruhigen Horizont vorgaukeln. Ob’s funktioniert oder auch für knappe 70 Euro nur eine „Preisfrage“ ist, kann hier nicht objektiv eingeschätzt werden – die Erfahrungen werden sehr kontrovers diskutiert.

Ruhigen Gewissens kann aber auf jeden Fall der Aufenthalt an der frischen Luft  empfohlen werden. Und das nicht unbedingt weit vorne auf dem Schiff, dort schaukelt es in der Regel am meisten. Also  möglichst in der Schiffsmitte, weil dort die Rollbewegungen am geringsten sind. Dabei sollte man den Kopf stets gerade halten und immer in Richtung Horizont schauen.  Hierdurch kann erreicht werde, dass einem wenigstens die Reize, die vom Auge her kommen, vertrauter sind und deshalb die Differenz zwischen „Bewegungs-„ und „Erwartungsmuster“ etwas kleiner ausfällt. Bei manchem reicht dies schon aus, um zu verhindern, dass aus einem leichten Schwindgefühl Übelkeit wird.

Auch die Möglichkeit des Schlafens an der frischen Luft wird als eine Gegenmaßnahme zur Seekrankheit angesehen.

Reize durch Gerüche vermeiden: An Bord stets darauf achten, wie es wo riecht: So können Essens- oder Dieselgerüche  die Entstehung der Seekrankheit begünstigen.

Vor Antritt der Reise ist der Körper eventuell bereits durch Reisestress und Jetlag bereits geschwächt. In dieser Situation sollte man am ersten Seetag leichtes Essen bevorzugen und auch während der Reise lieber kleine Snacks als große Mahlzeiten zu sich nehmen. Seekrankheit hat zwar nichts mit Magenproblemen zu tun, zusätzliche Belastungen für den Magen können die Übelkeit aber steigern oder beschleunigen. Histaminhaltige Lebensmittel wie Salami, Schokolade oder Thunfisch und auch Rotwein und Hefe-Weizenbier sollte man nach Möglichkeit meiden. Histamin ist ein Botenstoff, der das Brechzentrum im Gehirn stimuliert und bei der Entstehung der Reiseübelkeit eine zentrale Rolle spielt.

Mit Beschäftigung ablenken, z. B. mit  sportlicher Betätigung an Bord, in Fitness-Studios, beim Shuffleboard spielen, bei der Teilnahme an Sportturnieren, der Teilnahme an Pool-Spielen oder an Quiz-Wettbewerben oder an Tanzveranstaltungen und Animationsprogrammen.,

Beschäftigung ist insofern wichtig, da bekannt  ist, dass unter der Seekrankheit in der Regel nur die Passagiere leiden: Schiffsführung, seemännisches und technisches Personal sowie Service-Kräfte in den Decks und unter Deck auf den Kreuzfahrtschiffen bleiben angesichts der

Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden am Tag an 7 Tage die Woche und der Fülle der zu bewältigenden Aufgaben meistens verschont.

Es sei auch daran erinnert, dass Admiral Nelson trotz Seekrankheit erfolgreich Seeschlachten geführt hat und Charles Darwin  während  seiner fast fünf Jahre andauernden Reise mit der HMS „Beagle“, die ihn einmal um die Welt führte, wissenschaftlich arbeitete – trotz Seekrankheit.

 

Die Angst vor Seekrankheit ist oft schon der 1 Schritt hin zur Krankheit

Ob man seekrank wird oder nicht, lässt sich leider nicht vorhersagen oder steuern. Trotzdem sollte man sich einfach nicht so viele Gedanken  darüber machen und sich auf seinen Urlaub an Bord freuen. Wenn man ständig darauf wartet, ob man nun seekrank wird, wenn man nur mit der Angst lebt, dass die Seekrankheit beginnen könnte, dann erhöht sich tatsächlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Symptome auftreten.

Dabei wird meistens das Risiko Seekrankheit  überschätzt und starker Seegang ist ohnehin die Ausnahme: Die Reedereien wählen die Kreuzfahrtrouten so aus, dass bekannte Schlechtwetterregionen weitestgehend gemieden werden und die Seereisen vorrangig durch Gebiete mit stabilem Wetter, ruhigen Gewässern und viel Sonne führen. Soweit das eben nach dem eigentlichen Ziel der Kreuzfahrt möglich ist.  Außerdem  tragen zur ruhigen Lage eines Schiffes im Wasser auch die Wirkung von Stabilisatoren bei, die das gefürchtete Rollen eines Schiffes abdämpfen. Kein modernes Kreuzfahrtschiff kommt heute noch ohne sie aus.

Und noch eine gute Nachricht sollte dazu ermutigen, das „Wagnis“ einer Seefahrt auf sich zu nehmen: Sowohl Passagiere von Seglern, von Frachtern oder Kreuzfahrtschiffen berichten immer wieder, dass sie spätestens nach 2-3 Tagen unterwegs im Seegang kaum noch oder überhaupt nicht mehr unter Seekrankheit leiden mussten.

Helfen nun diese Tipps auch nicht weiter, dann bleibt nur noch eine alte englische Seemannsweisheit zu befolgen: “The only cure for seasickness is to sit on the shady side of an old brick church in the country” – Das einzige sichere Mittel gegen Seekrankheit ist, sich in den Schatten einer alten steinernen Dorfkirche zu setzen… oder wie es Lord Nelson ausdrückte: „Das sicherste Mittel gegen Seekrankheit: sich unter einen Apfelbaum legen“.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.