Segelschulschiff „Gorch Fock“

Segelschulschiff „Gorch Fock“

Wieder in ruhigerem Fahrwasser – Die „Gorch Fock“ – segelt weiter

Auch in der 44. Ausgabe des „Schwarzbuches“ für das Jahr 2016/2017 monierte der der Bund der Steuerzahler Steuerverschwendungen und führte Beispiele für Misswirtschaft bei Bund, Ländern und Kommunen auf. Und auch das Schulschiff  der Deutschen Marine, die „Gorch Fock“ wurde als ein Objekt der Steuerverschwendungen in einem Atemzug mit dem seit Jahren andauernden Bau des Flughafens Berlin- Brandenburg (BER)  oder dem Bau des Flughafens  Hahn, dem nach missglückten Verkaufsabsichten  jetzt die Insolvenz drohte, genannt

Ausbildungsschiff und Botschafterin  der Deutschen Marine

Die „Gorch Fock“, die vor fast 60 Jahren nach einer knappen Bauzeit von  gerade  einmal 10 Monaten auf der Hamburger Traditionswerft  Blohm & Voss am 17 Dezember 1958 in Dienst gestellt  wurde, ist seither das als Bark getakelte Segelschulschiff der Deutschen Marine, benannt nach dem Schriftsteller Gorch Fock (eigentlich Johann Wilhelm Kinau), der in der Skagerrak-Schlacht  1916  auf dem Kreuzer SMS „Wiesbaden“ fiel.

Auf der „Gorch Fock“ erhalten alle Offiziers- und Unteroffiziersanwärter der Marine während der Teilnahme an einer mehrwöchige Seefahrt ihre praktische und theoretische Ausbildung für die spätere Verwendungen in der Flotte. Dabei repräsentieren sie mit „ihrem“ Schiff  gleichzeitig  als maritime Botschafterin  die Deutsche Marine in vielen Häfen der Welt, denn jeder Hafenaufenthalt hat auch eine politischen  bzw. diplomatische Bedeutung im Rahmen der  internationalen Beziehungen.

So haben seit 1958 ungefähr 15.000 Männer und Frauen ihre seemännische Basisausbildung auf der „Gorch Fock“ absolviert, wobei das  Schiff seither mit seinen Besatzung mehr als 750.000 Seemeilen zurückgelegt hat, was etwa  35 Erdumrundungen entspricht. Dabei wurden rund 390 Häfen in knapp 60 Ländern auf fünf  Kontinenten angelaufen.

Instandsetzungen, Reparaturen und kein Ende?

Aber wie wohl bei jedem Schiff sind auch auf einem Segelschulschiff nach so vielen Seetörns irgendwann Überholungsarbeiten und Reparaturen in mehr oder weniger großem Umfang erforderlich.

Schon vor der der Weltumsegelung, die dann wegen eines Unfalls an Bord  vorzeitig abgebrochen wurde, ist das Schiff  im Jahr 2010 komplett generalüberholt worden. Jedoch bereits ein Jahr später wurde  festgestellt, dass es im Rumpf vollkommen marode Stellen gab und die vorgefundenen Rostschäden erhebliche Sicherheitsauswirkungen auf die Stabilität haben würden und die  Seetauglichkeit infrage stellten: Die im  Oktober 2011 im Dock der Kieler Lindenau-Werft bei Routinearbeiten am Schiffsrumpf festgestellten Mängel waren so gravierend, dass aus haushaltsrechtlichen Gründen eine Ausschreibung der Instandsetzungen nötig wurde, deren Beginn sich bis Januar 2012 hinzog und einen Reparaturaufwand von etwa 10  Millionen Euro  erforderte.

Es folgte danach am 27. November 2012  vom Heimathafen Kiel  eine   Auslandsausbildungsreise  in Richtung Kanarische Inseln – allerdings  zunächst nur mit den Mitgliedern der Stammbesatzung. Im Rahmen der Reise, die am 18. Mai 2013 in Kiel endete,  hatten insgesamt 195 Offiziersanwärter der Crew VII/2012,  von denen ein Törn in Las Palmas an Bord gegangen war, ihre seemännische Basisausbildung absolviert.

Weitere Ausbildungsreisen  fanden  vom 12. November 2013 bis zum 12. April 2014 und vom 01.09.2014.bis zum 19.12.2014 statt.

Die am 24.August 2015 begonnene 168. Ausbildungsreise der „Gorch Fock“ war so geplant, dass die Fahrt Ende November mit einem regulären  Werftaufenthalt endete, der planmäßig bis zum Sommer 2016 dauern sollte.

Nun befindet sich der  Stolz der Deutschen Marine seit  Dezember 2015

auf der Elsflether Werft im Landkreis Wesermarsch, um dort wiederum und   turnusgemäß von Grund auf überholt zu werden. Hauptaugenmerk  sollte dabei u.a. auf die Überprüfung und Instandsetzung von Getriebe, Motoren und die technischen-  und Sicherheitseinrichtungen gelegt werden. Außerdem sollte die gesamte Takelage abgebaut werden und für das Schiff war der Einbau einer neuen Kommunikationsanlage vorgesehen. Weiterhin waren Arbeiten am Rumpf, an den Hygieneeinrichtungen an Bord sowie am Unterwasserbereich geplant.

Für  diesen  Werftaufenthalt  waren rund sieben Monate veranschlagt, so dass  die „Gorch Fock“ nach alter Tradition und in neuem Glanz die Windjammerparade auf der  Kieler Woche 2016 anführen sollte.

Wie gesagt, sollte! Denn bei den Instandsetzungsarbeiten wurde zunächst festgestellt, dass  wegen erheblicher Rostschäden auch ein Austausch der drei Masten des Segelschulschiffs notwendig ist. Damit waren die Zeitpläne für den Werftaufenthalt nicht mehr zu halten, es wurde nun in Aussicht gestellt, dass die  „Gorch Fock“ nach dem Einbau neuer Masten erst Anfang 2017 wieder in See stechen kann.

Und dann kam eine erneute Hiobsbotschaft: Bei den planmäßigen Überprüfungen des Schiffes wurde festgestellt,  dass auch das Holzdeck marode ist. Der zur Erneuerung notwendige finanzielle Aufwand konnte noch gar nicht endgültig beziffert werden, sicher war aber, dass der veranschlagte Kostenrahmen von etwa  20 Millionen Euro nicht eingehalten werden konnte und im Oktober sprach man bereits von 35 Millionen Euro. Daraus ergab sich auch, dass die neu veranschlagte  Werftliegezeit von 15 Monaten nicht mehr eingehalten werden konnte.

Die Arbeiten an dem Schiff wurden daraufhin im Oktober 2016 gestoppt und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Auftrag gegeben.

Kritik und Lösung – Bund der Steuerzahler regt Neubau an

Angesichts der Tatsache, dass die „Gorch Fock“ vor gerade  einmal  zwei Jahren bereits umfangreich  und kostenintensiv generalüberholt wurde und sich mit einem derzeit völlig ungewissen Ausgang hinsichtlich neuerlicher  Schadens-  und Mängelfeststellungen bereits wieder in der Werft befand, regte der Bund der Steuerzahler statt der teuren Reparaturen im „Schwarzbuch“ ein Schiffsneubau an.

Dabei wurde als Vergleich der Neubau des privaten Segelschulschiffes, der Drei-Mast- Bark  „Alexander von Humboldt II“, herangezogen, die 2011 auf der BVT-Werft in Bremen-Vegesack für 15 Millionen Euro neu gebaut wurde.

Dabei wurde auch ein Rückblick nicht außer Acht gelassen: Die  Baukosten für die „Gorch Fock“  betrugen im Jahr 1958 8,5 Mio. D-Mark, was einem heutigen Wert von mehr als 20 Millionen Euro entspricht.

Inzwischen ist jedoch bereits ein Vielfaches der Summe in das Schiff gesteckt worden und die gegenwärtige laufende Reparatur wäre die mit Abstand teuerste  in seiner bisherigen Geschichte. Der Kauf eines neuen Segelschiffes oder eben der Neubau wären deshalb möglicherweise eine kluge und zeitgemäße Entscheidung.

Entscheidung des Bundesministeriums für Verteidigung: Die „Gorch Fock“ bleibt

Nun hat die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach dem Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsprüfung und Abwägung aller Lösungsmöglichkeiten (Neubau, Reparatur und/oder Leasing) die Entscheidung bekanntgegeben, dass die „Gorch Fock“ als Segelschulschiff der Bundesmarine erhalten und im Einsatz bleiben wird.

Mit einem finanziellen Gesamtaufwand von nunmehr veranschlagten  75 Millionen Euro soll die „Gorch Fock“ eine grundlegende Sanierung und Generalinstandsetzung erfahren, nach der es am Schiff  kaum noch ein Originalteil geben wird und bis auf den Kiel wohl alles ersetzt werden soll.

Die „Gorch Fock“ würde dann allerdings der Bundesmarine noch über 2030 hinaus zur Verfügung stehen. Bis dahin könnte auch die Planung und der Neubau eines Schiffsersatzes ins Auge gefasst werden

Ist die  Offiziersausbildung auf einem Segelschiff noch zeitgemäß?

Auch in dem Wissen, dass diese  Frage bei Traditionsverbänden, den Vereinigungen von Ehemaligen und vor allem auch bei der Stammbesatzung der „Gorch Fock“  zu erheblichen Widerständen und Diskussionen führt, muss diese Nachfrage gestattet sein.

Von der Deutsche Marine  wird  heute verlangt, dass sie in der Lage ist, auch in weit entfernten Seegebieten über lange Zeiträume Präsenz zu zeigen. Sie soll  fähig sein, die Seewege gegen Bedrohungen durch Piraterie und Terrorismus, aber auch gegen Flugzeuge, U-Boote und Kriegsschiffe  zu schützen. Das erfordert neben bestausgebildetsten Besatzungen hochtechnologische  Waffensysteme, modernste Kommunikations- und Ortungssysteme sowie  die Beherrschung automatisierter  Überwachungssysteme  für die Systeme an Bord sowie für den unmittelbaren Umkreis des Schiffes auf  Reede und in Häfen.

Ist es da wirklich noch zeitgemäß, dass das „Wachsen der Seebeine“ der zukünftigen Marineoffiziere, an die diese hohen Anforderungen in Theorie und Praxis  gestellt  werden müssen,  nun unbedingt auf einem Segelschulschiff erfolgen muss. Wie sicher und vor allem, wie zeitgemäß ist die Ausbildung auf einem Segelschiff?  Und was können künftige  Marineoffiziersanwärter auf  einem Dreimaster  für ihre  späteren Hightech-Einsätze zum Beispiel  vor der Küste Somalias lernen?

Sind z.B. Tampen- und Nagelkunde, das Setzen, Einstellen oder Bergen  der  Segel oder die Kenntnisse über Zusammenhänge in der Takelage Grundvoraussetzungen für den späteren Einsatz auf modernen Marineschiffen?

Da scheint es doch zweifelhaft, ob nun angesichts dieser neuen enormen finanziellen Pläne der Bundeswehrführung die  Kritik des Bundes der Steuerzahler nicht im nächsten „Schwarzbuch“ wieder erscheinen – wieder gemeinsam mit der Kritik an den Steuerverschwendungen beim Bau des Flughafens Berlin- Brandenburg (BER)

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