Sylt – Die Reisenden Riesen als Wahrzeichen am Westerländer Bahnhof

Sylt – Die Reisenden Riesen als Wahrzeichen am Westerländer Bahnhof

Jeder, der mit dem Zug Sylt anreist und durch den Bahnhof von Westerland nach draußen gelangt, trifft auf den Vorplatz auf eine besondere Form der Kunst: Eine nicht zu übersehende Skulpturengruppe: Vier Figuren in einem auffälligen Grün stehen hier: Eine Riesenfamilie – der Mann und die Frau sind 4 Meter hoch. Die beiden Kinder erreichen immerhin die stattliche Höhe von 2 Metern.  Gemeinsam stemmt sie sich gegen den imaginären Westwind, vielleicht ein Hinweis darauf, was den Gast an der Küste der rauen Nordsee erwartet. Flankiert wird die Riesen-Familie von quer über den Platz verteilten Koffern und Taschen, die Passanten als Sitzgelegenheiten nutzen können. Auch die dazugehörigen Laternenpfähle biegen sich im Wind.

 

Einst als „Monster-Monument“  verschrien…

Seit 2001 bilden  diese „Reisenden Riesen im Wind“ eines der außergewöhnlichsten Wahrzeichen der Insel Sylt. Das knallgrüne Kunststoffensemble wurde am Sonntag, den 14. Oktober 2001 während eines feierlichen Festaktes  auf dem Westerländer Bahnhofsplatz in Anwesenheit des Künstlers, des 1971 in München geborenen und in Kiel lebenden Bildhauers Martin Wolke, enthüllt. Vorausgegangen war 1999 die Ausschreibung eines offenen  Wettbewerbs für ein Kunstwerk für den Bahnhofsvorplatz  für schleswig-holsteinische Künstler. Aus den von 72 Teilnehmern eingereichten Vorschlägen entschied sich  die von der Politik beauftragte Fachjury letztlich für den Entwurf Martin Wolkes – die „Reisenden Riesen im Wind”. Allerdings war diese Entscheidung auf Sylt mehr als umstritten und führte zu einer sehr emotionalen Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum. Die Meinungen gingen von zustimmender Begeisterung bis zu einer grundlegenden  Ablehnung. Selbst durch die damaligen Stadtvertreter ging ein Riss in der Auffassung  über die Figurengruppe, die zum Teil als „Monster” bezeichnet wurden, die sich  bestenfalls  als „Objekte für Karnevalsumzüge”  eignen würden. Sogar der Vorschlag stand im Raum, dem Künstler lieber eine Konventionalstrafe  zu zahlen, als die bis zu vier Meter hohen Figuren Realität werden zu lassen. Auch die Überlegung, die Westerländer in einem Bürgerbegehren über die Legitimation des giftgrünen Kunststoffensembles entscheiden zu lassen,  sollte auf die Tagesordnung gesetzt werden. Allerding entschied in diesem Streit letztlich und mehrheitlich die Politik für die Realisierung des Entwurfes von Wolke.

 

…heute ein begehrtes Fotomotiv

Damals wurde die feierliche Enthüllung von vielen Schaulustigen begleitet und auch hier gab es Zustimmung und Ablehnung gleichermaßen. Besonders die verzerrten Proportionen, teilweise sogar mit einem verdrehten Kopf, die überproportional großen Füßen der Figuren und die giftgrüne Farne des voluminösen Kunststoffensembles standen vielfach in der Kritik.

Heute gilt das Gesamtkunstwerk, ob man es nun schön findet oder nicht – über Geschmack lässt sich ja so trefflich streiten – als ein Wahrzeichen für Westerland und die ganze Insel Sylt. Und – die Figuren bringen auch nach 16 Jahren die Passanten noch immer zum Staunen und zählen nach wie vor zu den beliebtesten Fotomotiven der Urlauber auf Sylt.

Und sogar der giftgrünen Farbe kann man inzwischen etwas abgewinnen, denn grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Und viele der täglich 4000 Pendler, die von ihrer Arbeit an den Figuren vorbei zum Bahnhof hetzen hoffen auf pünktliche Züge und wenn’s hochkommt sogar auf einen Sitzplatz für die Fahrt nach Hause.

 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.